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Ein Register der hundert Beschwerungen, Gravamina Germaniae Nationis, dt. (VD16: R 733)

Deutsche Reichsstände

Ein register der hun=
dert beschwerungen / damit Deudsch
land von dem Bapst vnd den seinen jemmerlich
beschwert / vnd vberladen / ja gentzlich verterbt
wird / auffm Reichstage zu Nürnberg An=
no 1523. von dem Reich dem
Bapst vbersendet.
Mit einer kurtzen Vorrede Matth: Fla. Illyr:
S. Petrus in der 2. am 2. schreibt / von dem Antichrist
vnd seinen geistlichen also. Sie achtens für wollust das
zeitliche wolleben. Sie sind schand vn(d) laster / prangen von
ewern Allmosen, vnd prassen von dem ewern, Haben augen voll
Ehebruchs / Lassen jnen die Sünde nicht weren / Locken
an sich die leichtfertigen Seelen / Haben ein hertz durch
trieben mit geitz / Verfluchte leute / Verlassen den richtigen
weg / vnd gehen jrre / vnd folgen nach dem weg Baalam
des Sons Bosor / Welchem geliebte der lohn der vnge=
rechtigkeit.
Ich meine ia, der Bapst vnd seine geistliche prassen, prangen vnd
stoltziren mit der armen Christen allmusen, denn sie leben damit nicht
allein fur sich auffs prechtigste vnd suste, Sonder bringen eben mit der
armen Christen allmusen ihre weiber, töchter vnd schwester zu schan=
den, bekriegen, vnd bedrengen die Christen, also, das ihnen auch Konig,
Keiser, vnd Fursten, die fusse kussen mussen, wie für augen: O wehe
den ienigen, die solchen grewlichen Sunden nach ihrem vermugen nicht
widerstehen, oder aber sich noch dazu ihrer teilhafftig macht.

Herausgeber:
Flacius, Matthias (auf Titel)

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Rödinger, Christian d. J. (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1551 (aus Text oder Kolophon)
Umfang und Format
6 Bl. 4°
VD 16-Nummer
R 733
Bestandsnachweis HAB
183.9 Theol.(9)
Weitere Exemplare
386.32 Theol.(27); 422.1 Theol.(8); H 130.4ºHelmst.(7); Yv 1970.8ºHelmst.(4)
Digitalisat
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Vorwort

Autor
Flacius, Matthias (auf Titel)

Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Widerstand gegen das Augsburger Interim
Kommentar
Dieser Druck aus dem Jahre 1550 erweist sich als erneute Herausgabe eines durch ein Autorenkollektiv, welches im Auftrag der damaligen Reichsstände arbeitete, verfassten Artikelkatalogs von 1523. Initiator dieses Nachdrucks war Matthias Flacius Illyricus. Der eigentlichen, registerartigen Aufzählung von durch die vermeintliche Einmischung der kurialen Politik in die inneren Angelegenheiten Deutschlands verursachter Missstände geht eine durch den Neuherausgeber Flacius verfasste Vorrede voran. In seiner Rede prangert Flacius scharf die Privilegien und weltliche Machtausübung des Papsttums an, die er bereits aus der Privilegierung der Päpste durch frühere römisch-deutsche Kaiser herleitet. Diese Privilegien und Pfründenwirtschaft hätten u.a. zum Abzug von Unmengen Goldes aus den Ländern Europas an den Papsthof geführt, was vor allem mit der dort angeblich vorherrschenden Misswirtschaft und weltlich orientierten Verschwendung in Zusammenhang stünde. An diesen anklagenden Prolog schließen sich die 100 nachgedruckten Kurzartikel von 1523 an, in denen schwere Vorwürfe gegen die Verquickung päpstlicher Machtambitionen mit den Interessen der weltlichen Stände Deutschlands erhoben werden. Hierbei werden vor allem der Ablasshandel, das Erlassen von Sünden gegen Geld, das vermeintliche Wohlleben der Bettelmönche und des altgläubigen Klerus im Allgemeinen auf Kosten der ärmeren Bevölkerungsschichten, die Besetzung kirchlicher Stellen durch inkompetente Personen auf Protegé aus Rom hin, aber auch die Erfindung neuer Sündentatbestände zwecks Eintreibung weiterer Ablassgelder scharf angeprangert. Hinzu treten Klagen über die privilegierte Behandlung geistlicher Personen in Rechtsstreitigkeiten ebenso wie das Zelebrieren von Messen gegen Geld oder das Eingreifen päpstlicher Legaten in die inneren Angelegenheiten deutscher Reichsstände. Wahrscheinlich beabsichtigte Flacius mit seiner Neuherausgabe des Artikelkatalogs von 1523, seine Zeitgenossen darauf hinzuweisen, dass 27 Jahre zuvor unter den Reichsständen – sowohl den altgläubigen als auch den der Wittenberger Reformation zugeneigten – ein grundsätzlicher Konsens über die Reformbedürftigkeit der altgläubigen Kirche in kirchenpolitisch-struktureller Hinsicht herrschte, ein Konsens, der im Zuge der Debatte um das Augsburger Interim von 1548 jedoch verloren ging. Wenn das Interim auch im Text nicht direkt erwähnt wird, so deutet die Ermahnung am Ende der Vorrede, Deutschland nicht erneut unter die Herrschaft der Päpste kommen zu lassen, darauf hin, dass der Text des flacianischen Prologs dennoch im Umfeld der Streitigkeiten über das Interim, und damit im Jahr 1548 oder unmittelbar danach, entstanden ist.

Zitierhinweis

Ein Register der hundert Beschwerungen, Gravamina Germaniae Nationis, dt., in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/a391aad3-32f2-4fe4-bc28-f4bb692f81f1>. (Zugriff am 02.07.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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