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Antwort der Scholasticorum zu Wittenberg (VD16: ZV 651)

Wittenberger Theologen (auf Titel)

Antwort der Scho=
lasticorum zu Wittemberg.
Auff die jtzt vnd vor
offt widerholten / gifftigen / falschen vnd
erlogenen lesterungen Flacij / genomen aus der
Historia aller handlung / vnd in eine summa gezogen /
Daraus die warheit diesen streit belangent angezeiget /
vnd die vnschuld dieser Land Kirchen / vnd vnser Pre=
ceptoren erwiesen wird / mit meldung grosser leichtfer=
tigkeit / vnd gifftiger bosheit Flacij / Das dieselbigen
gottfürchtigen Leute erkennen möchten / vnd ge=
dencken / wie man doch möchte dem vnsin=
nigen vnd verderblichen geschrey /
zu einem end helffen / vnd einig=
keit in diesen fehrlichen
zeiten erhalten.
Wittemberg.
Anno. M. D. LVIII.

Gegner:
Flacius, Matthias (auf Titel)

Druck

Erscheinungsort
Wittenberg (auf Titel)
Erscheinungsjahr
1558 (auf Titel)
Umfang und Format
52 Bl. 4°
VD 16-Nummer
ZV 651
Bestandsnachweis HAB
--
Weitere Exemplare
Berl SB 6 in: Dg 10 R Stu LB Theol.qt. 366 Bem: beschädigt
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Im Jahre 1558 antwortete der sich selbst als „Scholasticorum zu Wittemberg“ bezeichnende Autorenkreis Wittenberger Theologieprofessoren um Philipp Melanchthon auf zwei Streitschriften des Matthias Flacius Illyricus. Es handelt sich hierbei zum einen um den Traktat „Auff das ausschreiben der zweien Vniuersiteten vnd die Inuectiuam Scholasticorum“ (VD-16 F 1274) sowie den lateinischsprachigen Beitrag „Necessaria defensio contra famosam Chartam Wittebergensium“ (VD 16 F 1453), beide im selben Jahr 1558 publiziert. Die „Antwort der Scholasticorum zu Wittemberg“ fügt sich somit als Baustein in einen mehrstufigen Schlagabtausch zwischen den gnesiolutherischen Theologen Flacius, Gallus und Amsdorf auf der einen und den Wittenberger Professoren um Melanchthon, den so genannten „Philippisten“, auf der anderen Seite ein. Im Rahmen dieser Auseinandersetzungen hatten die gegenseitig erhobenen Vorwürfe während der Jahre nach 1550 zunehmend an Schärfe gewonnen. Nachdem Flacius zunächst die Wittenberger beschuldigt hatte, mit Hilfe ihrer – für ihn in der Gestalt des so genannten „Leipziger Interims“ manifest werdenden – kompromissbereiten Haltung der altgläubig-kaiserlichen Religionspolitik gegenüber die wahre evangelische Lehre verraten zu haben und heilsirrelevante Zeremonien unnützerweise wieder in den protestantischen Gottesdienst einführen zu wollen, war es zu defensiven Reaktionen der Wittenberger gekommen. Daraus entflocht sich eine Reihe von gegen die jeweils andere Parteiung gerichteten Streitschriften, in welche zunehmend persönliche Vorwürfe einflossen. Innerhalb der „Prima Epistola scholasticorum Wittebergensium“ (separat nicht im VD 16 vorhanden) war Flacius 1557 von den Wittenbergern auch persönlich heftig attackiert worden. Auf dieses Werk reagierte er seinerseits mit der Publikation der beiden oben genannten Pamphlete, in denen Flacius nun seinerseits mit Schmähungen und Vorwürfen gegen die Philippisten nicht sparte. Er nannte die gegen ihn bis dato von den Wittenbergern vorgebrachten Kritikpunkte schlichtweg Lügen und Erfindungen und erneuerte seine theologischen Verurteilungen der inhaltlichen Standpunkte der Professoren um Melanchthon. Für ihn waren Melanchthon und seine Kollegen schlichtweg „Adiaphoristen“, die die evangelische Lehre durch die Hinzufügung eigentlich schon als obsolet erkannter altgläubiger Zeremonien und religiöser Praktiken verwässerten und dadurch letztlich an die altgläubigen Gegner verrieten. Allein der Untertitel des vorliegenden Drucks weist schon auf dessen polemischen Grundton hin, es wird offen von den angeblichen „giftigen, falschen und erlogenen Lästerungen“ des Flacius gesprochen. Die Auseinandersetzungen hatten im Jahre 1558 ein derartiges Ausmaß an unverhohlener Polemik erreicht, dass eine Aussöhnung der zerstrittenen Gruppen kaum mehr möglich erschien. Im Kern der Streitigkeiten stand die Frage, in welchem Maße zeremonielle und allgemein religiös-lebensweltliche Elemente aus dem Bereich der nicht heils- und bekenntnisrelevanten Mitteldinge, der so genannten Adiaphora, in das christliche Gemeindeleben eingefügt werden dürften, ohne dass darunter die Schriftbezogenheit und der grundsätzlich reformatorisch-evangelische Charakter der jeweiligen Gemeinden zu leiden hätten. Während Melanchthon und seine Befürworter unter bestimmten Umständen – so vor allem, um nach dem Ende des für die evangelischen Reichsstände desaströs ausgegangenen Schmalkaldischen Krieges (1547) die Existenz der Wittenberger Theologie und der evangelischen Kirche in den sächsischen Landen per se nicht zu gefährden – eine Einführung solcher religiöser Elemente bejahte, lehnten die von Magdeburg aus agierenden gnesiolutherischen Theologen um Flacius und Amsdorf jedwede Kompromissbereitschaft in der Frage einer obligatorischen Introduktion „adiaphoristischer“ Praktiken als vermeintlichen Verrat am rechten Glauben vehement ab. Die „Antwort der Scholasticoum zu Wittemberg“ zeigt, dass diese beiden gegensätzlichen Positionen nicht mit einander in Einklang zu bringen waren. Der Druck bestätigt denn auch einmal mehr die bereits in früheren Beiträgen geäußerten Wittenberger Standpunkte: Flacius sei ein unaufrichtiger Kritiker, seine Vorwürfe seien falsch und fügten der evangelischen Sache Schaden zu. Die kompromissbereite Haltung der Anhänger Melanchthons bezüglich der Adiaphora wird erneut verteidigt, Flacius erscheint hingegen als Lügner und Verdreher der eigentlichen Lehre Luthers.

Zitierhinweis

Antwort der Scholasticorum zu Wittenberg, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/c6eb0c9b-e7c7-4e02-ab73-d33494b828d8>. (Zugriff am 04.04.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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