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Theologiae Lutheri trimembris epitome (VD16: S 8597)

Staphylus, Friedrich (aus Text oder Kolophon)

THEOLOGIAE
MARTINI LVTHE=
RI TRIMEMBRIS
EPITOME.
De Topicis Praedicamentis: seu
Theologicis principijs.
De Materia praesentium contro-
uersiarum Theologicarum.
De Successione & Concordia di-
scipulorum Lutheri, in Augu-
stana Confessione.
Nuper collecta VVormatiae,
durante Colloquio.

Gegner:
Luther, Martin (aus Text oder Kolophon) ; Melanchthon, Philipp (aus Text oder Kolophon) ; Calvin, Johannes (aus Text oder Kolophon) ; Flacius, Matthias (aus Text oder Kolophon)

Druck

Erscheinungsort
Dillingen (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Mayer, Johann (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1558 (auf Titel)
Umfang und Format
72 Bl. 4°
VD 16-Nummer
S 8597
Bestandsnachweis HAB
--
Weitere Exemplare
Berl DSB Dg 5810
Eich UB 04/1 B X 553 a;
Eich UB 04/1 BO B IV 10;
Mü SB 4ºDogm.186;
Mü SB 4ºPolem.1060;
Mü SB 4ºPolem.1062 Bem: Titelblatt beschädigt;
Mü SB 4ºPolem.1778/2;
Wien NB 41.T.21
Digitalisat
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Widmung

Empfänger
Otto, Augsburg, Bischof (aus Text oder Kolophon)
Datum
31.12.1557

Vorwort

Autor
Staphylus, Friedrich (aus Text oder Kolophon)

Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Allgemeiner Druck, Wormser Gespräch
Kommentar
In seiner diesem Druck vorangestellten Widmung an den Augsburger Bischof Otto Kardinal Truchseß von Waldburg entschuldigt sich Staphylus, nicht auf der Rückreise [von Worms] in Augsburg vorbeigekommen zu sein. Er verspricht einen baldigen Besuch und sendet vorerst das Büchlein, in dem er Auszüge aus den Schriften Luthers und seiner Anhänger zusammengestellt und während der Tage in Worms in eine Ordnung gebracht habe. So könne er den ganzen Haufen (Sylva) der Meinungen und Häresien präsentieren, die zu jedem der einzelnen Artikel in Worms vorgebracht worden seien. Er halte diese Zusammenstellung für die Erkenntnis der Wahrheit und die Aufdeckung verbreiteter Irrtümer für hilfreich, denn angesichts der verschiedentlich ausgestreuten, zum Teil einfach ausgedachten, zum Teil dahergeredeten und vermischt und an verschiedenen Orten veröffentlichten Positionen sei es schwieriger, sie zu verfolgen als sie zusammenzustellen. So nackt und bloß zusammengestellt, ohne die vielfältigen Verdunkelungen, sei es für die Frommen leichter sie wahrzunehmen, als eine Einigung herzustellen. In Deutschland gehe es zu wie bei dem Besuch des Römers Gellius in Griechenland, der bei einer Versammlung der dortigen griechischen Philosophen vorgeschlagen hatte, einen Modus der Kontroversen zu finden. Er habe ihnen seine Hilfe bei der Erreichung von Frieden und Eintracht in Aussicht gestellt, wenn sie nicht ihre Zeit mit Kämpfen vergeuden wollten. Doch man habe sein Angebot als Scherz aufgefaßt und ihn ausgelacht. Genauso gehe es nun zu: Wenn man etwas Ehrenhaftes versuche, werde man für unsinnig gehalten von den Streitliebenden, die das Evangelium lieber verlachten als ihm zu folgen. Was man schon vorher befürchtet habe, sei in Worms eingetreten: Als sie sich mit vergeblichen Angriffen [gegen die römisch-katholische Seite] abgestumpft hatten, hätten sie mit wütenden Angriffen gegeneinander begonnen, aber noch versucht, das Scheitern der Gespräche den Katholiken anzulasten. In der anschließenden Vorrede stellt Staphylus das Gute und das Böse mit Aristoteles gegenüber: Während das Gute sich selbst erhält, verdirbt sich das Böse selbst. Aber er wolle nicht allgemein reden, sondern untersuchen, wie sehr das Böse der Ketzerei angefangen habe, das Gute des christlichen Glaubens zu verderben und wie das Gute dagegen Widerstand leiste. Wie sehr die Ketzerei im Schwang sei, brauche man nicht zu beweisen. Ganz Deutschland sei verwüstet, habe das Alte verlassen und die Neuerung angenommen, sei mühselig, voll Elend und Jammer. Alles drohe durch Vermischung von geistlichen und weltlichen Dingen zugrunde zu gehen. Die Ketzerei verderbe alles, was sie kann. Früher seien Kirchen gebaut und Güter gegeben worden, die vielen zum Lebensunterhalt geholfen hätten. Die Ketzereien hätten dagegen die Kirchen geplündert und die Güter geraubt, dadurch viele ins Elend und die Kirchenverwalter in Armut gebracht. Man müsse nur die Kirchen, die Sitten und das Leben des Pöbels betrachten um zu erkennen, wo "das neue Euangelium" regiere. Dann werde man stillschweigend gewahr, daß der katholische Glaube zu Erhaltung des Guten, der Neuentstandene zur Zerstörung neige. Man könne Bauern und Bürger fragen, ob sie lieber unter den Päpstlichen (St. weist darauf hin, daß dies das Vokabular der anderen sei) oder unter den Evangelischen wohnen und arbeiten wollten. Was sie antworten würden, sei klar: bei den Evangelischen würden viel mehr Häuser und Äcker verkauft als bei den Altgläubigen, woran man die Früchte von Glaube und Lehre erkennen könne. Wenn der neue Glaube schon in weltlichen Dingen, um die es eigentlich nicht gehe, soviel Schaden anrichte, wieviel mehr werde er in geistlichen Dingen schädlich sein. Zudem gehöre es zu den Eigenschaften des Bösen, sich selbst zu vernichten. Als Beispiel führt St. den Turmbau zu Babel und die Zerstreuung der jüdischen Volkes an, aber auch Griechenland, Thrakien und Ungarn: Nicht Gott verursache ihr Verderben, sondern sie seien selbst schuld durch ihre Bosheit. Die Deutschen hätten jetzt noch Schlimmeres zu erwarten, denn von der katholischen Kirche hätten sie nicht nur den Glauben, sondern auch das Römische Reich bekommen. Wenn man dabei geblieben wäre und die Namen Luther, Melanchthon, Calvin und Illyricus (in der deutschen Übersetzung steht statt letzterem Osiander) unbekannt geblieben wären, würde in Deutschland das Reich noch blühen durch Zucht des Volks und Gerechtigkeit bei den Fürsten. Durch den Haß auf die allgemeine Kirche als Mutter des rechten Lebens und den Glauben als ihre Tochter seien Sitten, Lebenswandel und Künste verfallen. Gegen die doppelte Sucht des Bösen gebe es zwei Mittel: Entweder das Böse ganz hinweg zu tun oder das Gute, das in dem Bösen steckt, abzusondern, so daß sich das Böse selbst auslöschen müsse. Die Kirche habe bisher vergeblich versucht, die Häresien mit Entgegensetzung der Heilslehre zu kurieren, nach der medizinischen Lehre des "contraria contrariis curare". Sie sollte deshalb diese Medikation aufgeben und versuchen, das Gute, in dem das Böse steckt, zu separieren und das Böse allein zurückzulassen, das sich dann selbst zerstören werde. Mit dieser Methode habe man schon die schlimmsten Ketzereien kuriert. Deshalb sollen alle Frommen versuchen, das Gute bei den Lutheranern ihnen zu entziehen oder sie dazu zu bringen es auszutreiben, so daß die katholische Kirche das Gute von ihnen zurückbekomme. Das Gute komme aus Gott und sei unendlich, das Böse vom Teufel und sei endlich. Als Beleg führt St. den Theseus von Euripides an und verwirft die Manichäer. Das Böse könne nie eine so große Kraft haben, daß es das Gute auslöschen könne; das gelte auch für die Wahrheit des Glaubens und die Ketzerei. Die Wahrheit werde vielleicht durch sie geschwächt, aber nicht ausgelöscht. Deshalb solle man für das Gute der katholischen Lehre streiten, die Ketzer absondern, sie nicht grüßen, ihnen das Gute entziehen und sie ihrer Selbstzerstörung überlassen. Auf die Frage nach Unterscheidung von Gutem und Bösem verweist St. auf die Zeichen des Guten, alle Zwietracht zu meiden und sich vom Bösen zu bewahren, während das Böse alles streitig und widerspenstig mache. Die Wahrheit der christlichen Lehre finde man in dem allgemeinen Konsens und dessen Verständnis der Schrift, das seit den Zeiten der Apostel gelte. Die Ketzerei dagegen erkenne man an der Zwietracht in der Lehre, wo von einem Artikel heute dies, morgen das gelehrt werde und das von Ort zu Ort verschieden. Als Beleg führt er im Folgenden Schriftstellen wider die Ketzer an. Ab D 4r folgt ein Argumentum Libri, auf E 1r beginnt dann die eigentliche Auseinandersetzung mit der Lehre Luthers anhand von zehn "Praedicamenta seu topica principia."

Zitierhinweis

Theologiae Lutheri trimembris epitome, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/e5b80e05-22d1-47b7-afea-2fcef5fbeb43>. (Zugriff am 22.11.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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