Bibliographie/Quellen

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Bericht des Flacius (VD16: F 1280)

Flacius, Matthias (auf Titel)

Bericht M. Fla.
Jllyrici / Von etlichen Artikeln der
Christlichen Lehr / vnd von seinem Le=
ben / vnd endlich auch von den Adia=
phorischen Handlungen / wider
die falschen Geticht der
Adiaphoristen.
Lutherus spricht.
Jch bin diese drey Jar fast wol gewonet / Lügen zu
hören / auch von vnsern nehsten Nachbarn / Vnd wider=
umb sie auch gewonet sind / der Edlen tugend / das sie
nicht rot werden / noch sich schemen / ob sie des liegens
offentlich vberwunden werden / Lassen sich Lügener
schelten / vnd treibens jmer mehr / dennoch sind es die al=
ler Christlichsten Leut / die den Türcken fressen / vnd alle
Ketzerey mit Leib vnd Gut vertilgen wollen.
So gehet es leider stets den warhafftigen Le=
rern / aber weh denen die darzu / auff jr=
gent einerley weise / helffen.
Anno M. D. LIX.

Druck

Erscheinungsort
Jena (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Rebart, Thomas (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1559 (auf Titel)
Kommentar Druck
Parallelausgabe F 1281
Umfang und Format
48 Bl. 4°
VD 16-Nummer
F 1280
Bestandsnachweis HAB
156.22 Theol. (10)
Weitere Exemplare
Yv 74.8 Helmst (unvollständig)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Allgemeiner Druck
Kommentar
Flacius teilt diesen Druck in drei Teile, in deren erstem er Stellung bezieht zu kontroversen theologischen Fragen: Niemals habe er die ewige Gottheit Christi verleugnet, sondern stets habe er Christus als wahren Gott gepriesen und gelobt. Der Vorwurf, er menge die Sündenvergebung und die Heiligung ineinander, entbehre jeder Grundlage. Dieser Vorwurf treffe die Wittenberger selber, hätten doch Major, Pfeffinger und Menius eben diese Vermischung vorgenommen. In der Frage nach dem freien Willen des Menschen bekennt sich Flacius zur Position Luthers in "De servo arbitrio". Durch den Sündenfall sei der Mensch vom Bild Gottes zu einem Abbild des Teufels geworden und habe so keinen freien Willen mehr in geistlichen Dingen. Dieser durch den Teufel gerittene Wille könne überhaupt nichts mehr mitbewirken vor und in der Bekehrung, da er permanent Gott widerspreche und zu allem Bösen geneigt sei. Rechtfertigung, Erneuerung und Heilung widerführen dem Menschen pure passive und seien als reine Geschenke Gottes anzusehen. Aus diesen Gründen ist für Flacius die melanchthonische Definition "Liberum arbitrium es facultas applicandi sese ad gratiam", die dieser erst nach Luthers Tod in seine Loci aufgenommen habe, inakzeptabel. Ganz unangebracht sei die Äußerung Pfeffingers, der Mensch könne aus natürlichen Kräften Gottes Wort verstehen, ihm zustimmen und Gott gehorsam sein. Abzulehnen sei auch die Wittenberger Definition des Evangeliums als Bußpredigt. Vielmehr töte das Gesetz und treibe zur Buße, während das Evangelium eine Trostpredigt darstelle. Mit dieser Vermischung von Gesetz und Evangelium ließen die Wittenberger den Antinomismus wieder aufleben. Aufgrund der Scheidung zwischen Gesetz und Evangelium sei es unmöglich, das Evangelium als das Ganze der christlichen Religion in sich fassend zu bezeichnen. Der neue Gehorsam sei von der Erneuerung oder Wiedergeburt zu trennen. Während die Erneuerung ein Werk Gottes an den Menschen darstelle, sei der neue Gehorsam der schuldige Dienst des Menschen an Gott. Die Erneuerung des Menschen sei so zu bestimmen als Grund für den neuen Gehorsam. Den ersten Teil abschließend, übt Flacius Kritik an der Wittenberger Behauptung, im Leipziger Interim seien nur wirkliche Adiaphora eingeführt worden. Auch Lehrstücke darin verändert worden. Die Rechtfertigung des Menschen vor Gott sei zu bestimmen als ALLEIN durch den Glauben geschehend und nicht VORNEHMLICH durch den Glauben. Im zweiten Teil dieses Druckes stellt Flacius die Ereignisse der Jahre 1548-1555 aus seiner Sicht dar und widerlegt die Wittenberger Sicht auf diese Vergangenheit. Eine ausführliche Verteidigung gegen persönliche Angriffe und Unterstellungen von Wittenberger Seite beenden diesen Abschnitt. Im abschließenden dritten Teil präsentiert Flacius eine Sammlung von noch nicht durch die Wittenberger beantworteten Fragen aus seinen vorhergehenden Drucken. Flacius bietet abschließend an, "in einem freien Christlichem Synodo zu erscheinen/ vnd alda diese Sache aus vnd nach Gottes wort/ nicht nach menschlicher Vernunfft/ vnd der weltweisen fleischlichen Gedancken/ gern Christlich vnd ördentlich weisen vnd richten zu lassen.

Zitierhinweis

Bericht des Flacius, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/b6402709-6e80-453a-b760-0186302c6316>. (Zugriff am 06.06.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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