Bibliographie/Quellen

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Bedenken auf das Interim, niederdt. (VD16: M 4329)

Melanchthon, Philipp (erschlossen)

Christlick bedencken
der Euangelischen Theo=
logen vnd Gelarten tho Wit=
temberg vp dat Interim.
Jhere. XXIII.
Wol min Wort hefft / de predige min
Wort recht / wo rimen sick stro
vnd weiten tosamende?
M. D. XLVIII.

Druck

Erscheinungsort
Lübeck (erschlossen)
Drucker
Richolff, Jürgen (erschlossen)
Erscheinungsjahr
1548 (auf Titel)
Kommentar Druck
plattdeutsch
Umfang und Format
17 Blatt 4°
VD 16-Nummer
M 4329
Bestandsnachweis HAB
490.1 Theol. (5)
Weitere Exemplare
298.8 Quod. (2)
Edition
Edition: C&C 1, Nr. 1, S. 40-75

Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Widerstand gegen das Augsburger Interim, Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Dieser 1548 bei Hans Lufft in Wittenberg gedruckte Traktat stellt die niederdeutsche Übersetzung der ersten Druckschrift dar, die aus Sicht der Wittenberger Theologen auf das im Mai 1548 veröffentlichte und den auf dem Augsburger Reichstag versammelten Reichsständen durch Karl V. zur Beschlussfassung vorgelegte Interim reagierte. Direkter Anlass zur Stellungnahme war eine Anfrage des Kurfürsten Moritz von Sachsen an die evangelischen Gelehrten der Universität Wittenberg, wie das Interim aus theologischer Sicht zu bewerten sei. Philipp Melanchthon verfasste dieses „Bedenken aufs Interim“ (VD 16 M 4322 – 26), das im Juni 1548 – wenige Wochen, bevor das Interim durch den Reichsabschied vom 30. Juni 1548 Rechtsgültigkeit erlangte – in Umlauf gebracht und von namhaften Theologen wie Johannes Bugenhagen, Johannes Pfeffinger, Caspar Cruciger, Georg Major und Sebastian Fröschel unterzeichnet wurde. Der vorliegende Druck richtet sich in seiner Funktion als niederdeutsche Übersetzung an das Lesepublikum der norddeutschen Territorien, insbesondere auch die Einwohner evangelischer Städte wie Hamburg oder Bremen. Er beabsichtigte, diesen niederdeutschen Rezipienten die Einschätzungen und Bedenken der Wittenberger Theologen plausibel zu machen und damit gleichsam auch die Meinungsbildung über den Interimstext im norddeutschen Raum zu beeinflussen. Obwohl Melanchthon bezüglich einiger Bestimmungen des Interims, z.B. derjenigen zur Ordination von Klerikern, noch zurückhaltend argumentiert, geht aus dem Text insgesamt doch hervor, dass für ihn und die übrigen unterzeichnenden Wittenberger Theologen der Inhalt des Interims letztlich mit der evangelischen Auffassung der Rechtfertigung des Menschen vor Gott allein aus Gnade und Glauben um Christi willen nicht vereinbar ist. Die Frage der Annahme oder Ablehnung des Interims entscheide daher über das Bekenntnis zur christlichen Wahrheit, denn das Interim ließe – würde es denn inhaltlich akzeptiert und ausgeführt – die bislang in den evangelischen Kirchen gelehrten Glaubensinhalte als falsch erscheinen. Eine Bejahung des Interims käme daher der Einwilligung in die Bekämpfung des als wahr und richtig erkannten Evangeliums gleich. Es erscheint den Wittenbergern bedenklich, von ihnen als „abgöttisch“ eingestufte, altgläubige Zeremonien und liturgische Praktiken wie Prozessionen mit der geweihten Hostie nunmehr wieder einzuführen. Die Ordination von Geistlichen wird hingegen zugelassen, so lange sie christlich vonstatten geht und nicht bloß ein äußerliches Spektakel darstellt. Ferner gibt Melanchthon zu bedenken, dass kein Gottesdienst gefeiert werden solle, der nicht auf Gottes Wort gegründet sei, das Sakrament des Abendmahls wird an die Einsetzungsworte Christi gebunden, die Lehre vom Messopfer hingegen abgelehnt. Auch dem Interimsartikel zu Heiligenanrufung ist demzufolge nicht zuzustimmen. Im weiteren Gang der Diskussion erstellte Melanchthon unter Mitwirkung Majors, Crucigers und Pfeffingers eine Lehrformel zur Rechtfertigungslehre als Gegenentwurf zur bereits im „Bedenken“ vom Juni abgelehnten Rechtfertigungslehre des Interims, die – nach Diskussion und Modifikation in Pegau im August 1548 – später Bestandteil des so genannten Leipziger Interims wurde. Ursprünglich als Gutachten für die im Juli 1548 auf dem Meißener Landtag versammelten kursächsischen Landstände gedacht, ließ Matthias Flacius Illyricus diesen Beitrag ohne Wissen der Wittenberger Theologen unter dem Titel „Bericht vom Interim der Theologen zu Meißen versamlet. Anno 1548“ (VD 16 B 1846, 1847) bei Christian Rödinger in Magdeburg in Druck gehen.

Zitierhinweis

Bedenken auf das Interim, niederdt., in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/f50c9f46-6c8e-47ab-862a-c111ffb0294c>. (Zugriff am 25.08.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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