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Daß alle Verfolger der Kirche zu Magdeburg Christi selbst Verfolger sind. (VD16: F 1427)

Flacius, Matthias (auf Titel)

Das alle verfolger
der Kirchen Christi zu Magde=
burgk / Christi des HERrn selbs ver=
folger sindt. Geschrieben zur war=
nung an alle Christen / vnd sonderlich
an das Kriegesvolck der Feinde.
Durch Matthiam Flacium
Illyricum.
Philip. 1.
Euch ist gegeben nicht allein zu gleuben an
Christum / sonder auch zu leiden vmb seinet
willen. Nu aber singet mann viel anders / nemlich /
euch ist gegeben / das jr nicht allein nicht leidet vmb
Christus willen / sondern auch das jr die Christen verfol=
gen vnnd nur wol plagen möget. Aber an jenem tage
wird es abermals anders klingen / Nemlich / Gehet hin
von mir / jr verfluchten inn das ewige fewer / das bereitet
ist dem Teuffel vnnd seinen Engeln / Denn was jr dem
geringsten Christen getan habt / das habt jr mir ge=
than / Spricht der gestrenge Richter Christus.

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Lotter, Michael (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1551 (aus Text oder Kolophon)
Kommentar Druck
zwei weitere Drucke VD 16 F 1426/28
Umfang und Format
8 Bl. 4°
VD 16-Nummer
F 1427
Bestandsnachweis HAB
H 118 (27). 4° Helmst.
Weitere Exemplare
248.13 Theol. (27); 348.2 Theol. (1)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Aus der Belagerungssituation heraus entstandene Schrift, in der Flacius die Truppen nach Matth. 25 ermahnt, daß sie sich Christus selbst wendeten. Er versucht, -- gegen Ende den Argumentations-gang mehrfach durch gebetsartige Passagen unterbrechend -- die Belagerung als Teil des Unternehmens des blutdürstigen Papsts darzustellen, der Truppen fremder Nationen nach Deutschland schicke, um das Evangelium zu unterdrücken. Die Monarchen wollten Magdeburg dem Interim und dem Konzil unterwerfen und damit um der wahren Religion willen bekriegen. Wer immer sich daran beteilige, stehe dem Teufel bei. Der Vorwand der Unwissenheit als Untertan, Laie, Bauer wird zurückgewiesen: Wer Christ sei, dürfe sich nicht gegen Christen gebrauchen lassen, zumal der gegenwärtige Konflikt leicht zu durchschauen sei. Den Versprechungen der Belagerer, man wolle sich beim Kaiser für Magdeburg einsetzen, könne man schon deshalb nicht trauen, weil sie ihre eigenen Untertanen durch das Interim und andere Verfälschungen betrogen haben. Außerdem hätten die Kurfürsten auf dem Reichstag gesagt, sie seien durch Schmähbücher an der Einführung des Interims gehindert worden, wollen es aber weiter versuchen. Und sie ließen es zu, daß Sidonius in Merseburg Kirchen und Schulen zerstöre. Die Magdeburger hätten auch nicht den Landfrieden gebrochen, sondern sich gegen gedungene Straßenräuber verteidigt und eher zu wenig zu ihrer Notwehr getan. Den Vorwurf, die Stadt sei unrecht mit den katholischen Klerikern und den Kirchengütern umgegangen, weist Flacius zurück: Man habe die Pfaffen nicht vertrieben, außerdem seien die Güter Besitz der Kirche zu Magdeburg als der Versammlung der Christen, zur Finanzierung von geistlichen und auch leiblichen Sachen. Auch das päpstliche Recht binde das beneficium an das officium, doch die antichristlichen Diener Bacchi nd Veneris dienten der Kirche nicht. Vielmehr hätten sie jahrhundertelang die Güter gegen die Gläubigen gebraucht. Diesem Wirken des Antichrists sollten alle ehrbaren Leute widerstehen. Die Belagerer rühmten sich selbst die wahre Religion zu haben -- Flacius antwortet nur Interim und Adiaphora. Es heiße, daß manche Landsknechte nicht wegen der Religion kämpfen wollten -- ihnen gehe es nur ums Geld, entscheidend seien die Absichten der Kriegsherren. Die Motive der Pfaffen und des Kaisers seien klar; wer ihnen dennoch diene, fördere den Antichrist wissentlich und können keinen Trost in ihrem Gewissen haben. Türken und andere fremde Völker hätten sicher Freude an dem Schauspiel, wie sich die Lutherischen gegenseitig erwürgten. Das habe der Papst schon oft veranlasst, daß sich die Barbaren um seinetwillen ermordeten. Wehe aber denjenigen, die sich zum Werkzeug machen. Fromme Krieger und wahre Christen sollten sich christlich verhalten wie Sankt Moritz und sein Heer. -- Nach abschließendem Gebet um Errettung folgt noch ein Auszug aus einer "Coniuration" der Papisten, daß die Städte außer Magdeburg erst einmal verschonen wolle, damit sie sich nicht solidarisieren.

Zitierhinweis

Daß alle Verfolger der Kirche zu Magdeburg Christi selbst Verfolger sind., in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/ab875d7f-ba9a-4411-99f0-c1eb52c05430>. (Zugriff am 16.06.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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