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Runge, Jakob (auch Rungius)

GND: 100327001

geb. 15.6.1527 in Stargard, gest. 11.1.1595 in Greifswald, luth. Theologe, Superintendent

R. besuchte ab 1542 die Schule in Stettin und begann 1544 ein Studium in Wittenberg. 1546 führte er sein Studium in Greifwald fort, wurde 1548 Professor für Rhetorik, 1552 Pastor an St. Marien und Prof. für Theologie. Gleichzeitig vertrat er Pommern bei verschiedenen Anlässen. So sollte er 1552 gemeinsam mit Philipp Melanchthon zum Konzil nach Trient reisen; die Reise kam aber wegen des Krieges (Fürstenverschwörung) nicht zustande. 1555 reiste er nach Nürnberg, um über den osiandrischen Streit zu verhandeln. 1557 nahm R. am Wormser Religionsgespräch teil. Das Angebot, Nachfolger Johannes Bugenhagens in Wittenberg zu werden, lehnte R. ab und wurde 1557 Nachfolger Johannes Knipstros als pommerscher Generalsuperintendent. In diesem Amt und der Theologieprofessur an der Universität Greifswald verblieb R. bis zu seinem Lebensende. 1563 überarbeitete er die Bugenhagensche Kirchenordnung von 1535. Mehrfach visitierte er die Universität Greifswald, er wirkte als Prinzenerzieher und trat an die Spitze des Konsistorialgerichts. R. beteiligte sich an den osiandrischen und den flacianischen Streitigkeiten auf Seite der Philippisten und führte heftige Auseinandersetzungen um Kirchenordnungsfragen mit der Stadt Stralsund. Unter seiner Leitung lehnte die pommersche Kirche die Annahme der FC ab mit der Begründung, dass in den Artikeln zum freien Willen und zum Antinomismus zu sehr die Auffassung von Matthias Flacius zum Ausdruck komme. In einer Stellungnahme gegenüber Paul von Eitzen kritisierte er unter anderem, dass der FC eine andere Textfassung der CA zugrunde liege, als in Pommern verwendet werde. 1582 verfasste er einen Katechismus, der sich gegen die Lehraussagen der FC richtete. Gegen die Vorwürfe, kryptocalvinistischen Tendenzen anzuhängen, verteidigte R. sich 1593 durch die separate Veröffentlichung und Annahme der FC-Artikel zum Abendmahl und zur Prädestination als „Bekenntnis und Lehre der Kirche in Pommern vom Heiligen Nachtmahl.“ Auch sein Sohn David wurde Theologieprofessor.

ADB, RGG3, RGG4

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 1068,208-213;II 1110,148

Quellen

1555
Von der Gerechtigkeit des Menschen durch den Gehorsam des Mittlers; R 3324  (Autor)
Von der Gerechtigkeit des Menschen durch den Gehorsam des Mittlers; R 3323  (Autor)

Zitierhinweis

Runge, Jakob (auch Rungius), in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <https://www.controversia-et-confessio.de/id/e3953414-73c8-446b-86e3-769816c1594f>. (Zugriff am 09.12.2022)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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