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Spangenberg, Johann (auch Hardesianus, Herdesianus)

GND: 123624878

nicht zu verwechseln mit Augustinermönch Johann Bethel aus Spangenberg

geb. 29.3.1484 in Hardegsen, gest. am 13.6.1550 in Eisleben, luth. Pädagoge und Theologe, Superintendent und Liederdichter

Geboren als Sohn eines Schlossers, besuchte S. die Schule in Göttingen und Einbeck, wo er auch Gesangsunterricht erhielt. Anschließend arbeitete er als Lehrer an der Stiftsschule in Gandersheim, studierte vielleicht ab 1506 in Frankfurt, jedenfalls ab 1508 in Erfurt, wo er 1511 den Baccalaureus und später auch den Magistergrad erwarb. Hier schloss er sich dem Kreis um Eobanus Hessus an. Es folgten vier Jahre als Rektor der Lateinschule in Stolberg und seit 1520 eine Stelle als Mittagsprediger. Er begann reformatorisch zu predigen, erwarb sich einen Ruf als guter Prediger und erhielt 1524 die Pfarrstelle an St. Blasii in Nordhausen. Hier blieb er 22 Jahre, ordnete nach dem Bauernkrieg das Kirchenwesen in konservativ-lutherischem Sinn und veranlasste 1525 die Gründung einer neuen Lateinschule, für die er Lehrer aus Wittenberg gewann (Johannes Gigas, Michael Neander). Er verfasste zahlreiche Lehrbücher, zur Mnemonik und zum Trivium, sowie Psalm- und Evangelienbereimungen, Postillen, Katechismusfragen zu Luthers Großem Katechismus und eine Aufbereitung der Loci Melanchthons in Frageform, die Margarita Theologica. In Frageform waren auch einige seiner Trostschriften abgefasst (Krankentrost, Ehespiegel). 1543 und 1545 veröffentlichte er Gesangbücher, nach dem Kirchenjahr geordnet. Nachdem er Berufungen nach Magdeburg als Nachfolger Nikolaus Amsdorfs und nach Königsberg an die Albertina abgelehnt hatte, beriefen ihn die Mansfelder Grafen auf Luthers Rat hin 1546 als gemeinsamen Superintendenten für die Grafschaft. In den letzten Lebensjahren war er häufig krank und konnte sein Amt nicht mehr richtig ausüben, den Theologenkonvent, der am 23.8.1548 die Annahme des Interims ablehnte, leitete Michael Coelius. Eine der letzten Amtshandlungen war die Ordination Johannes Wigands. S. starb am 13. Juni 1550. Sein Sohn Cyriakus gab weitere seiner Schriften postum heraus und führte das Werk einer Weltchronik fort.

ADB, RE, RGG3, RGG4, BBKL

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 1199,1-57;1198,276;II 1237,351-366;III 863,449-451,454;1058,157-166

Quellen

1549
Epitaphium Stephani Agricolae; S 7798  (Autor)

Zitierhinweis

Spangenberg, Johann (auch Hardesianus, Herdesianus), in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/f6c437bf-c772-4e52-9bbb-6748f7815481>. (Zugriff am 04.06.2020)

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