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Mansfelder Prediger, Gegenbericht gegen Major (VD16: W 706)

Mansfelder Prediger (auf Titel)

Warhafftiger gegen(n)
bericht / Auff Doctor Georg Maiors
REPETITION, vnd endliche Erkle=
runge / Welche er in einer Deutschen
Schrifft dis 1567. Jar
gethan hat.
Durch
die Prediger in(n) der
Graffschafft Mansfelt.
ANNO
M. D. LXVIII.

Gegner:
Major, Georg (auf Titel)

Druck

Erscheinungsort
Eisleben (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Gaubisch, Urban (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1568 (auf Titel)
Umfang und Format
23 Blatt
VD 16-Nummer
W 706
Bestandsnachweis HAB
238.6 Quod. (2)
Weitere Exemplare
230.4 Theol. (5); Alv.: Dk 180 (2)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Synergistischer Streit
Kommentar
Mit diesem Druck antworten die Prediger der Grafschaft Mansfeld auf die „REPETITIO: Widerholung vnd endliche Erklerung der Bekentnis D. Georgij Maioris.“ (M 2161), die auf dem Michaelismarkt in Leipzig um den 29. September 1567 verkauft worden sei und eine Wiederholung des Druckes „Bekentnis D. Georgij Maioris von dem Artickel der Iustification“ (M 2005) dargestellt habe. In der Repetitio habe Major dem Bekenntnis einen längeren Bericht vorangestellt. In diesem Bericht habe er behauptet, dass nicht er den Streit um den Satz „Gute Werke sind nötig zur Seligkeit“ angefangen habe, sondern Nikolaus von Amsdorf. Niemals habe er die altgläubige Deutung dieses Satzes vertreten, die ihm von den Flacianern unterstellt worden sei. Mittlerweile habe er diese These genügend ausgelegt, so dass alle seine Gegner mit ihm zufrieden sein könnten. Aus der Rede, die Georg Major am 18. Oktober 1567 anlässlich seiner Dienstentpflichtung als Universitätsprofessor gehalten habe (M 2016), sei zu entnehmen, dass keine Erkenntnis seiner eigenen Sünde bei ihm vorhanden sei und er allen Gegnern nach wie vor übel gesonnen sei. Er beschimpfe alle seine Gegner ohne Unterschied als „Flacianer“, die nur den Unfrieden suchten und Freude am Schimpfen hätten. Die Mansfelder Schrift beantwortet in zwei Teilen die Frage nach dem Ursprung und Anfang des majoristischen Streites und die nach der Deutung des Satzes Majors. Von Amsdorf habe selber den Vorwurf Majors widerlegt, er habe den majoristischen Streit begonnen, in seiner Schrift „Das Doctor Pomer vnd Doctor Maior mit iren Adiaphoristen ergernis vnnd zurtrennung angericht“ von 1551 (A 2340). Als Kaiser Karl V. 1548 den Ständen des Reiches das Interim vorgelegt habe, seien auch in Kursachsen viele Stellungnahmen von Universitäten eingeholt worden. In diesem Prozess hätten die Theologen der Universitäten Leipzig und Wittenberg den Rechtfertigungsartikel und den Artikel von den guten Werken nach dem Maßstab des Interims geändert. So sei im Meißener und Pegauer Bedenken gelehrt worden, dass gute Werke nötig seien zur Seligkeit. Diese Worte seien dann auch in das Leipziger Bedenken, das auch Leipziger Interim genannt wird, hineingekommen. Gegen diese Formulierung hätten sich von Amsdorf und andere Magdeburger Prediger zunächst ohne Namensnennung gewandt und davor gewarnt, sich nicht zu weit auf die Theologie des Antichristen einzulassen. Auf diese Verwarnungen habe allerdings nur Pfeffinger mit seinem „grundlosen Bericht“ (P 2326) geantwortet, der einen „Gegenbericht“ von Nikolaus Gallus (G 276) hervorgerufen habe. Dies sei der Diskussionsstand gewesen, als Johannes Bugenhagen in seinen öffentlichen Predigten angefangen habe, gegen von Amsdorf Stellung zu beziehen, und Georg Major seine ersten Schriften gegen ihn und die anderen Prediger von Magdeburg habe in den Druck gehen lassen, in denen er seinen Gegnern die Schuld am Zustand der Kirche zuweist, da sie nicht kompromissfähig genug seien (M 2003 und M 2156). Daraufhin habe von Amsdorf seine Schrift „Das Doctor Pomer vnd Doctor Maior mit iren Adiaphoristen ergernis vnnd zurtrennung angericht“ (A 2340) veröffentlicht, in der er den Kursachsen ihre Lehrabweichungen in der Interimsfrage vorgeworfen habe. Dieser Druck sei es auch gewesen, in dem von Amsdorf die These Majors „Gute Werke sind nötig zur Seligkeit“ kritisiert habe, die dieser in seinen Predigten über das Credo (M 2003) vertreten hatte: „Hierdurch verwerffen wir die Guten Wercke nicht / Denn wir klar sagen / Das niemand one gutte Wercke kan Selig Werden / vnd das Gott einem jglichen nach seinen Wercken lohnen wird.“ (Zitat aus M 2003). Auf diesen Druck habe Major geantwortet mit seinem Druck „Auff des Ehrenwirdigen Herren Niclas von Ambsdorff schrifft“ (M 1996), in dem er seine Position verteidigt habe mit den Worten: „Das bekenne ich aber / das ich also vormals gelert / vnd noch lere / vnd fürder alle meine lebetage also leren will / DAS GVTTE WERCKE NOTIG ZVR SELIGkeit sind / vnd sage offentlich / vnd mit klaren worten / das niemand durch böse Werck selig werde / Vnd das auch Niemands One Gute Wercke Selig Werde / Vnd sage mehr / Das / wer anders leret / auch ein Engel vom Himel / der sey verflucht. […] Darumb es Vnmöglich / Das ein Mensche One Gutte Wercke könne Selig Werden.“ Nach diesem öffentlichen Bekenntnis Majors zur altgläubigen Irrlehre sei der majoristische Streit erst richtig in Gang gekommen. In ihrem Bekenntnis von 1565 (C 4823) hätten dann auch die Mansfelder Pfarrer, nachdem Major in Eisleben auf diese Weise gepredigt habe, ihn darum gebeten, diese Rede von der Nützlichkeit guter Werke einzustellen. Aber Major sei beharrlich bei seiner Position geblieben und habe weitere Schriften im selben Sinn veröffentlicht wie „Ein Sermon von S. Pauli vnd aller Gottfürchtigen menschen bekerung zu Gott“ von 1553 (M 2186). Aus dieser Erzählung der Vorgänge im majoristischen Streit lasse sich schließen, dass von Amsdorf zwar Major mit seiner Schrift provoziert habe, aber dazu doch durchaus Anlass gehabt habe. Auch habe der Verlauf des Streites gezeigt, dass Major fest bei seiner Irrlehre verharre. Die Schuld am Zustand der Kirche trägt so Major allein. Der zweite Punkt, den die Mansfelder Pfarrer ansprechen, ist die Behauptung Majors, er habe seine Thesen niemals in der Deutung vertreten, die ihm von den Flacianern vorgeworfen werde. Die These stamme aus dem Interim und sei von den Altgläubigen schon immer in Übereinstimmung mit ihrer eigenen Irrlehre gedeutet worden, der Mensch könne durch seine Werke an seinem Heil mitwirken. Luther habe schon 1537 diese Reden als papistisch abgelehnt. Auch Melanchthon habe in seinem deutschen Corpus Doctrinae und seiner Antwort auf die bayerischen Inquisitionsartikel diese Rede explizit abgelehnt: „Ich brauch nicht der wort / Gute Werck sind nötig zur Seligkeit / denn durch denselbigen zusatz / Zur Seligkeit / wird der Verdienst verstanden.“ Auch Justus Menius habe diese Sicht Melanchthons geteilt, bevor er auf die majoristische Seite gewechselt sei. Die altgläubige Deutung der Position Majors werde nicht von den Flacianern vorgenommen, sondern stecke in den Worten selbst, wie Luther, Melanchthon und der junge Menius bezeugten. Major habe dies gewusst und trotzdem an seiner Position festgehalten und sie noch verstärkt. Major habe seine Position selber ausgelegt mit folgenden Sätzen: „1. Das es vnmöglich ist / Ohne gute Wercke Selig zu werden. 2. Das auch niemand one gute Wercke ist Selig worden. 3. Wie auch niemand durch böse wercke Selig wird / also lohne Gott einem jeden nach seinen Wercken.“ Diese seine Position steht in diametralem Gegensatz zur paulinischen Rechtfertigungslehre und dem reformatorischen sola fide. Wenn Major es anders gemeint habe, dann hätte er auch anders reden sollen. Die Scheidung, die Major vornimmt zwischen der rechtfertigenden Gerechtigkeit und ihrer Folge der durch Einwohnung des Heiligen Geistes geschehenden Heiligung des menschlichen Lebens in der anfangenden, das menschliche Leben umprägenden Gerechtigkeit wird von den Mansfeldern so verstanden, als zöge Major dadurch die guten Werke mit in die Rechtfertigung hinein. Zum Beleg dieser Interpretation wird ein Satz aus „Ein Sermon von S. Pauli vnd aller Gottfürchtigen menschen bekerung zu Gott“ von 1553 (M 2186) zitiert: „Seligkeit in diesem Leben Ist I. Vergebung der Sünden. 2. Vnd angefangene ernewerung zum Bilde Gottes“. Major behaupte zwar, dass die guten Werke nicht zur Seligkeit vonnöten seien als ein Verdienst. Doch zeigten seine Aussagen das Gegenteil an. So rede er etwa von einer die Seligkeit erhaltenden Funktion der guten Werke. Auch nach seinem Versprechen von 1558, seinen Satz nicht mehr zu gebrauchen (M 2005), habe er ihn der Sache nach weiter verwendet, wie in der Zweitauflage der „SECVNDA PARS HOMELIARVM“ von 1562 (M 2042) nachzulesen sei (fol. 59 und b 1). Sollte ein Leser nicht davon überzeugt werden können, dass Major die papistische Lehre vertreten habe, so werde er aber zustimmen, dass er „vnbequeme / vnd verdechtig geredet“ habe.

Zitierhinweis

Mansfelder Prediger, Gegenbericht gegen Major, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/bd6a34ef-b939-47ab-a48a-16e52148f904>. (Zugriff am 07.04.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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