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Von der Einigkeit derer, die über die Adiaphora stritten (VD16: F 1536)

Flacius, Matthias (auf Titel)

Von der einig=
keit derer / so für vnd wider
die Adiaphora in vorgangenen Ja=
ren gestritten haben / Christlicher
einfeltiger bericht / sehr nütz=
lich zu lesen / durch
Matth. Flac. Jl=
lyricum.
Prouerb: 18.
Wer antwortet ehe er höret / dem
ists narheit vnd schande. Ein jglicher
ist zum ersten in seiner sachen gerecht /
Aber kompt sein nechster dazu / so fin=
det sichs.
Syrach 10.
Verdamme niemand / ehe du die sa=
che zuuor erkennest / erkenne es zuuor /
vnd straffe es.
Du solt nicht vrteilen ehe du die sa=
che hörest / vnd las die Leute zuuor aus=
reden.

Gegner:
Menius, Justus (erschlossen) ; Major, Georg (erschlossen)

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Lotter, Michael (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1556 (aus Text oder Kolophon)
Umfang und Format
48 Bl. 8°
VD 16-Nummer
F 1536
Bestandsnachweis HAB
Yv 2522.8° Helmst. (3)
Weitere Exemplare
394.56 Quod. (5); 856 Theol. (4); U 293 (2)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit, Synergistischer Streit
Kommentar
Im Jahre 1556 ließ der lutherische Kontroverstheologe Matthias Flacius Illyricus bei Michael Lotter in Magdeburg eine umfangreiche Verteidigungsschrift in Druck gehen, in welcher er intensiv auf seine religionspolitische und theologische Rolle während der Krise infolge des Erlasses des Augsburger Interims, also während der Jahre 1548 bis 1552, einging und teils rechtfertigend, teils gegen seine damaligen Kontrahenten Vorwürfe erhebend, Stellung nahm. Flacius schreibt somit retrospektiv; der Text ist sichtlich von der Intention getragen, die theologischen und politischen Positionen, die er während der Streitigkeiten um das Augsburger Interim und die sich daraus ergebenden Fragen nach der Stellung der so genannten Adiaphora, d.h. der nicht heils- und bekenntnisrelevanten ethisch wertneutralen „Mitteldinge“ innerhalb der christlichen Liturgie und Lebensführung, einnahm, nachträglich zu verteidigen. Der Text gliedert sich in eine Vielzahl kleinerer Abschnitte, in denen Flacius jeweils eine zeitgeschichtlich bedeutsame, kirchenpolitische Frage anreißt, um nach einem kurzen Referat der damaligen Situation aus seiner Sichtweise abschließend zu einem wertenden oder rechtfertigenden Resumée zu gelangen. Hierbei zeichnen sich zwei große Themenfelder ab: Zum einen Flacius’ Versuche, seine damalige rege Publikationstätigkeit, im Rahmen derer er zumindest teilweise Unterstützung durch andere Interimsgegner wie Nikolaus von Amsdorf erfuhr, als rechtgläubig im Sinne des Evangeliums und der eigentlichen Werte der Wittenberger Reformation darzustellen. Er habe lediglich die reine christliche Lehre Christi verteidigt, seine theologischen Angriffe hätten nicht den Zweck verfolgt, einzelne Gegner persönlich zu diffamieren. Es sei aber damals um der Unversehrtheit der reinen evangelischen Lehre willen von Nöten gewesen, auch in kontroverser Form Kritik am Augsburger und Leipziger Interim bzw. den damit einhergehenden liturgischen Gepflogenheiten zu üben; um Streit zum Selbstzweck sei es Flacius jedoch nie gegangen. Zweitens habe er stets zunächst den Weg der informellen, nicht-öffentlichen Einigung mit seinen späteren Gegnern gesucht, jedoch seien diese auf seine Argumente oftmals nicht eingegangen oder hätten ihm nicht geantwortet, sie hätten vielmehr ihre adiaphoristischen Lehren und Praktiken weiter ausgeführt, was Flacius schließlich – wenn das Evangelium nicht völlig hätte übergangen werden sollen – regelrecht dazu gedrängt habe, nunmehr selbst die Feder in streitbarer Absicht in die Hand zu nehmen. Der Autor führt somit offen Gründe für die vermeintliche Legitimität seiner zwischen 1548 uns 1552 in Druck gegangenen, kontroversen, teils offen feindseligen Texte an. Genannt werden insbesondere Auseinandersetzungen mit den Wittenberger Theologieprofessoren Philipp Melanchthon und Georg Major oder mit dem preußischen Prediger Andreas Osiander. Der abschließende Teil des Drucks wendet sich dann konkreten Vorschlägen zu, um künftig Streitigkeiten innerhalb der evangelischen Christenheit zu vermeiden und die Einigkeit, auf die es – wie er versichert – ihm selbst ankommt, zu wahren. Flacius beteuert nochmals, dass ihm Zwietracht und Streit an sich zuwider seien, dass es aber einen theologisch-soteriologischen Konsens innerhalb der Kirche geben, und auf den man sich einigen sollte, was dann Streitigkeiten zu vermeiden helfe. Dazu gehöre eine klare inhaltliche Distanzierung von den Lehrinhalten von Augsburger und Leipziger Interim, aber auch den Lehren der altgläubigen Papstkirche, der Osiandristen und anderer mit der Wittenberger Reformation nicht vereinbarer Gruppierungen. Der Text ist deutlich von der Intention gekennzeichnet, die eigene Rolle während der Interimskrise einem breiteren Lesepublikum innerhalb der evangelischen Kreise Deutschlands gegenüber zu legitimieren und die eigenen Positionen somit zugleich als rechtgläubig erscheinen zu lassen.

Zitierhinweis

Von der Einigkeit derer, die über die Adiaphora stritten, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/e8bda007-ddd9-4ef1-9200-d583accb8b75>. (Zugriff am 09.07.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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