Bibliographie/Quellen

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Gespräch eines Esels und eines Bergknechts (VD16: M 160)

Magdeburg, Joachim (auf Titel)

DIALOGVS
Oder.
Ein Gespreche
eines Esels vnd Berg=
knechts / Jhesu Christo vnserm einigen
erlöser / vnd seiner Göttlichen Warheit
zun ehren / seiner Christlichen Ge=
mein in deisen betrübten
zeiten zu troste vnd dem
Synodo Auium zu
lieb geschrieben
dorch
Joachimum Magdeburgium.
Prouerb:
Der Esel vnd der Treiber gedencken
nicht geleich eins.
M D LVII.

Druck

Erscheinungsort
Lübeck (erschlossen)
Drucker
Richolff, Jürgen (erschlossen)
Erscheinungsjahr
1557 (auf Titel)
Umfang und Format
32 Blatt 8°
VD 16-Nummer
M 160
Bestandsnachweis HAB
544.11 Quod. (1)

Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Gereimter Dialog in Knüttelversen, zwischen einem Esel, der im Bergwerk arbeitet und Matthäus, einem Bergknecht, mit erleuternden Marginalien, Schriftverweisen und sogar einem Lied mit Notendruck. Der Dialog kommentiert die Lage des Bergwerks = der Kirche, wobei der Esel dem Bergknecht (den er als Praeceptor bezeichnet) vorwirft, um des Gewinns willen den Herren und Eigner des Bergwerks hintergangen zu haben zugunsten von "Kaucksherren" (unklar, wohl eine Zwischeninstanz im Bergwerksbetrieb), also Kaiser und Fürsten. Als der Bergknecht die Kritik des Esels zurückweist und ihn mit Bileams Eselin vergleicht, greift dieser den Vergleich auf und führt die Analogie fort: Der Bergknecht habe die Schrift verachtet wie Bileam, der um Geschenke von Balack zu bekommen gegen den Willen des Herrn gehandelt habe. So habe der Bergknecht mit seinen Gesellen Gottes erste Antwort zu Augsburg (die Marginalie verdeutlicht noch: 1530) wegen der Geschenke nach dem Willen Balacks gehandelt. Als es dann nicht so gekommen sei wie erwartet, hätten die Knechte wie Bileam alle Schuld auf den Esel geschoben. Der Esel habe mehr gesehen als der Prophet, nämlich daß man Gott mehr gehorchen müsse als den Menschen. Wegen seiner Warnungen habe Bileam den Esel erst geschlagen und hätte ihn schließlich umgebracht, wenn er ein Schwert gehabt hätte. Gott habe dieses Leiden für die Esel vorgesehen, sie aber in seine Hut genommen, während den Knechten das Höllenfeuer drohe. Die Knechte hätten dem Berg Gottes mehr Schaden zugefügt als alle Papisten geschafft hätten, weil sie zum Judas geworden seien. Doch wollten sie für fromme Leute gehalten werden und würden das Geschrei des Esels zum Verstummen bringen wollen. Der Bergknecht fragt daraufhin den Esel drohend, ob er lebensmüde sei, worauf dieser erklärt, was gegen Gottes Wort gehe, nicht ungestraft lassen zu können, auch wenn es ihn das Leben koste. Auf A 8v-B 1r folgt ein "Yamerliedlein", eine Verballhornung eines liturgischen Gesangs, mit Noten, den die Verurteilten in der Hölle zu singen hätten, mit dem Text "Zeter Mordio" anstelle des Kyrieleis. Das drohe den Bergknechten, denn sie hätten Sünde und Schande mutwillig verteidigt. Der Bergknecht beschimpft daraufhin den Esel kurz als ungelehrtes Tier, was dieser mit einer langen Verteidigungsrede beantwortet: Esel seien Gottes Geschöpfe, würden in der Schrift als dankbar, beharrlich und treu gekennzeichnet und als Reittier Jesu herausgehoben. Demgegenüber wird den Knechten immer wieder vorgeworfen, sie hingen "Quentrim" und "Quad iacul" an, die auf prächtigen Pferden stolz einher ritten. In immer neuen, durchnumerierten Vergleichen und biblischen Beispielen werden der gottesfürchtige Esel und die Hochmütigen gegenübergestellt. Dabei wirft der Esel den Bergknechten vor, daß sie sich denen zuwenden, die Luther verurteilt habe, etwa "Seudonius" und andere "seucerdotes" und den Eseln die Obrigkeit auf den Hals zu hetzen. Das "wurmessig" (wohl Wormser) Gespräch mache die Herren stolz und frech. Der Herr möge ihre brudermörderischen Absichten verhindern und sie selber in die Grube stoßen, die sie für die Christen vorgesehen hätten. Ein weiterer Angriff gilt "Grickel" Agricola, der sich an dem Brei des Interims den Mund verbrannt habe. Auf den Vorwurf des Bergknechts, ihn zu lästern, hebt der Esel zu einer neuen langen Verteidigungsrede an und kontrastiert die positiven Eigenschaften des Esels mit denen der übrigen Welt. Daraufhin befragt der Bergknecht den schriftgelehrten Esel nach dem Vogelgesang, über den großer Streit ausgebrochen sei und leitet damit zum zweiten Teil der Schrift über, eine Auseinandersetzung mit dem "Synodus Avium" Majors (M 348 bis M 350). In deutschen Versen werden so der Kuckuck, die Nachtigall, die Lerche, der Hahn und der Stieglitz sowie die Bienen besungen. Dabei werden in Marginalien Verweise auf oder Zitate aus Plinius und Schriftstellen angeführt. Während der Hahn Gallus positiv dargestellt wird, erhalten die anderen Vögel meist negativ charakterisiert. Die Schrift schließt mit einem Angriff auf die, die "Maior Maximi" sein wollen, aber "Minor Minimus" sein müssen. Auf D 2r - D 6r folgt noch ein "Klaglied der Kirche" von 1552 wider die Interimisten und Adiaphoristen auf die Melodie "An Wasserflüssen Babylons". Darin klagt die Kirche über die Verfolgung durch das Hurenkind Interim und sein "Schwester Sohn Mittelding", die mit Gewalt versuchten, sie von Gottes Wort abzubringen. Nur wenige Fürsten im Reich nähmen sich der Kirche an, die meisten schämten sich ihrer. Die Schrift schließt auf D 6v - D 8r mit einer Anrede an den "Christlichen Leser", in der die Lehre des Gesprächs zusammengefasst und eingeschärft wird.

Zitierhinweis

Gespräch eines Esels und eines Bergknechts, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/a862b027-c9d6-4c14-9216-2722c1d02479>. (Zugriff am 05.06.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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