Bibliographie/Quellen

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Bericht der bitteren Wahrheit (VD16: M 4563)

Menius, Justus (auf Titel)

Bericht
Der bittern War=
heit
IVSTI MENII
Auff die
Vnerfindlichen aufflagen M. Fla=
cij Jllyrici / vnd des Herrn Niclas
von Amsdorffs.
Wittemberg.
ANNO
M. D. LVIII.

Gegner:
Flacius, Matthias (auf Titel) ; Amsdorf (Amsdorff), Nikolaus (auf Titel)

Druck

Erscheinungsort
Wittenberg (auf Titel)
Drucker
Georg Rhau Erben (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1558 (auf Titel)
Kommentar Druck
Lindenblatt auf Titelblatt
Umfang und Format
79 Bl. 4°
VD 16-Nummer
M 4563
Bestandsnachweis HAB
H 134.4° Helmst. (5)
Weitere Exemplare
442.10 Theol. (13); H 407.4º Helmst. (12); H 139A.4º Helmst. (6); Di 170 (1)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit, Synergistischer Streit
Kommentar
In seiner Vorrede an die drei evangelischen Kurfürsten bezieht sich Menius auf die Widmung der Apologie des Flacius (F 1270) an den dänischen König Christian III., in der der Undeutsche F. den König aufgefordert habe zu bedenken, wie man der Rotten und Sekten in der Kirche mit gutem Einsehen begegnen könne. Auch Menius müsse bekennen, daß in diesem letzten Alter die Kirche hoch beschwert werde und auch er wünsche, daß dieser Jammer gestillt werden möge. Ob aber der Weg des Flacius, daß man alles, was er anderen vorwirft, als irrig und unchristlich verdammen soll, der richtige sei, darüber werden die Kurfürsten zweifellos recht bedenken. Flacius klage sehr über den Streit in der Kirche und behaupte, wie gerne er Recht und Frieden haben wolle, aber er wolle eigentlich nur, daß die Theologen in Sachsen, besonders in Wittenberg und Leipzig mit Schande in den Staub geworfen, er aber Ruhm und Ehre bekomme, daß er und sein Anhang Recht behalten hätten. Er werfe den Wittenbergern und Leipzigern vor, die Lehre verfälscht und die Kirche verheert und tausende Seelen getötet zu haben, er habe dagegen mit seiner Lehre die Kirche erhalten. F. verlange, daß die genannten Theologen sich zu den Vorwürfen bekennen und ihre Lehre widerrufen sollten. Dabei seien sie weder geständig, noch überhaupt ordentlich angeklagt oder überführt worden. Er aber meint, daß alle, die nicht seinen Vorwürfen ungeprüft zustimmten, die gleiche Schuld trügen. Die Kurfürsten und anderen Obrigkeiten mögen urteilen, ob dieses Verhalten der Kirche zu Frieden und Einigkeit verhelfen könne. Damit die Kurfürsten den Schaden, den F. anrichte, umso besser erkennen könnten, möchte M. einiges kurz in Erinnerung rufen: Durch die Veröffentlichungen von Flacius hätten sich etliche von ihren Lehrer in Leipzig oder Wittenberg abgewandt und würden diese nun verlästern. Auch dem Gemeinen Mann habe er die sächsischen Theologen verdächtig gemacht, so daß viele ihre Lehre nicht mehr hören und auch ihre Kinder nicht mehr studieren lassen wollten. Er sei auch sicher, daß F. mit seinen Schriften Osiander den Boden bereitet habe, denn O. hätte nicht gewagt, gegen die Wittenberger aufzutreten, wenn F. nicht vorher so heftig deren Autorität beschädigt hätte. So habe F. der Kirche in Preußen mit seinen Schriften mehr geschadet als genützt. Und als ob der Schaden nicht schon groß genug wäre, habe F. das Kolloquium in Worms sabotiert und den Katholiken einen Vorwand gegeben, das Gespräch abzubrechen, auf das so viele Christen so große Hoffnung gelegt hätten. Das belegten die Schreiben des Apostaten Staphylus. Den weiteren Schaden aus den maßlosen Anwürfen der Flacianer, wer ihnen nicht folge, verleugne Christus und werde zum Mamelucken, mögen die Kurfürsten selber bedenken. Da er auch angegriffen werde, weil er die sächsische Kirche nicht mit verdammen wollte, und da er jetzt auch sächsischer Theologe geworden sei, wolle er seine Lehre und Berufung jetzt vor den Kurfürsten verantworten. In der eigentlichen Schrift gibt M. zur Interimsfrage eine Übersicht über die Reaktionen auf die Veröffentlichung des Interims, die 1548 zahlreiche Stellungnahmen (von dem Hamburgern, Osiander ohne Namen, den Schwäbisch Hallern und Amsdorfs) hervorgerufen habe, während Flacius sich nur unter Mummerei geäußert habe. Er gibt die vollständige Stellungnahme der ernestinischen "Prediger der jungen Herren..." P 4740 wieder (A 3v-C 4v). Alle Pfarrer und Prediger hätten, befragt ob sie das Interim annähmen, ausgesagt, bei der bisherigen Lehre bleiben zu wollen, ohne daß Flacius beteiligt gewesen wäre. Auch bei der Verweigerung der thüringischen Pfarrer gegen den Mainzer Bischof sei F. nicht beteiligt gewesen, obgleich er sich rühme, Nothelfer der bedrohten Kirchen zu sein. Amsdorf habe zwar ein Bekentniss verfaßt, doch habe er, als das Gewitter kam, in Magdeburg Schutz gesucht und die anderem im Platzregen stehen gelassen. Nach der Stellungnahme der Kursachsen auf dem Leipziger Landtag, die in verschiedenen Fassungen kursiert habe, seien auch die Ernestiner auf einem Tag in Weimar zu ihrer Stellungnahme über Zugeständnisse in Mitteldingen aufgefordert worden. M. habe diese einzelnen Voten in eine Schrift "Bedencken vom Interim / Adiaphoris / vnd Articuln des Leiptzischen Landtages" vom 13.3.1549 zusammengefasst. Auch diese Schrift ist vollständig wiedergegeben (D 2r-F 3r). Als Konsequenz aus dieser Schrift, meint M., werde deutlich, daß es vielfachen Widerstand gegen das Interim auch ohne Flacius gab, der zu dieser Zeit sich nur anonym zu schreiben getraut habe, und der sich zu unrecht rühme, die Zerstörung der deutschen Kirchen verhindert zu haben. M. schließt diesen Teil mit Beschimpfungen von F. und Amsdorf, die sich auf den Kirchhof in Magdeburg in Sicherheit gebracht und ihre Ämter und Kirchen verlassen hätten. Der zweite Teil der Schrift, ab G 2r, behandelt die majoristischen Vorwürfe gegen Menius. Nach einer kurzen Einleitung folgt ein komplette Wiedergabe der "Entschüldigung Justi Menij / Auff die vnwarhafftige verleumbdung / darinnen jm auffgeleget wird / als solt er von der reinen Lere des Euangelij abgefallen sein" (M 4565), ab J 2r ein Brief an die Ernestinischen Fürsten vom 26.3.1555 und die Antwort der Fürsten vom 2.4.1555, der allerdings keine inhaltliche Stellungnahme der Fürsten bietet, sondern nur eine Anhörung auf einen späteren Zeitpunkt ankündigt. Da es dabei geblieben sei, sieht sich M. in seiner Darstellung von den Fürsten unterstützt. Zur Verteidigung gegen die Vorwürfe, er habe in den 1556 erschienenen Schriften "Von der Bereitung zum seligen Sterben" (M 4590) und in der Predigt "Von der Seligkeit über Luc. X." falsch gelehrt, gibt er längere Passagen daraus wieder (K 3r) und fasst seine Lehre nochmals zusammen. Flacius habe in seinen Angriffen in "Von der Einigkeit" (F 1536), dem Vortrab und der Apologia (F 1270) immer nur Fragmente von M. zitiert und diese verdreht. Amsdorf habe ihn in seiner Vorrede der Jenaer Lutherausgabe verleumdet und beide hätten ihn beim Fürsten verklagt, so daß er sein Amt nur noch unter Auflagen ausüben durfte und nach Eisenach vorgeladen wurde. M. berichtet detailliert über den Verlauf des Eisenacher Gesprächs (M 1v), wie er nicht angehört wurde, ihm Schriften weggenommen und nicht wiedergegeben wurden und Amsdorf mehrfach ausfällig wurde. Er habe sich zurückgehalten und mit seiner Unterschrift aller außer Amsdorf zufriedengestellt, hoffend, damit Ruhe zu haben. Doch nach dem Gespräch sei die Verleumdung aufgekommen, er sei der Häresie überführt worden und habe abgeschworen.

Zitierhinweis

Bericht der bitteren Wahrheit, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/f229cca5-fd0a-44d4-8ea0-07eb9d9b853c>. (Zugriff am 22.11.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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