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Clarissimae quaedam notae, dt. (VD16: F 1305)

Flacius, Matthias (auf Titel)

Etliche greiff=
liche gewisse vnnd scheinbar=
liche warzeichen / Daraus ein jeder wie
geringes verstands er sey / Wo er nur zu er=
forschung der warheit geneiget ist / vormerck=
en kan / das die Lehre der Euangelischen des
Herrn Christi Leher selbst ist / vnd das
der Papisten Lehr falsch / Gottloss
vnd vom Antichrist erfunden ist.
Auss einer lateinischen schrifft M.
Matthie Flacij Illyrici verdeutschet
I. Petri. V
Seidt nüchtern vnd wachet / Denn ewer wider=
sacher der Teuffel gehet vmbher / wie ein brüllen=
der Lewe / vnd suchet / welchen er verschlinge / Dem
widerstehet fest im glauben. Vnd wisset das eben
dieselbigen leiden / vber ewer Brüder in der Welt
gehen.
Lucae IX.
Vnd was nutz hette der mensch / ob er die gantze
Welt gewünne / vnd verlüre sich selbs?
M. D. XLIX.

Übersetzer:
N.N.

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Rödinger, Christian d. J. (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1549 (auf Titel)
Umfang und Format
59 Bl. 8°
VD 16-Nummer
F 1305
Bestandsnachweis HAB
T 296. 8° Helmst. (4)
Weitere Exemplare
925.17 Theol. (8); 1021.27 Theol. (11); 1164.38 Theol. (4); 1222.113 Theol. (2)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Antikatholisch, Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Im Jahre 1549 publizierte Matthias Flacius Illyricus bei Christian Rödinger in Magdeburg die deutschsprachige Übersetzung seines im gleichen Jahr kurz zuvor in der Offizin Michael Lotters gedruckten, lateinischsprachigen Traktats mit dem Titel „Clarissimae quaedam notae, uerae ac falsae religionis atque adeo ipsius Antichristi […]“. Flacius beabsichtigte mit der Veröffentlichung dieser volkssprachlichen Version seiner antikatholischen Streitschrift das deutschsprachige evangelische Lesepublikum zu erreichen, das dem Lateinischen vielfach nicht mächtig war, vor allem die lesekundigen, bürgerlichen Schichten in den Städten, um damit die Reichweite seines publizistischen Einflusses zu erweitern. Im vorliegenden Werk unternimmt er den Versuch, die altgläubigen Auslegungen der Bibel als von Irrtümern durchsetzt zu entlarven, wobei er wiederholt darauf verweist, dass altgläubige Exegeten viele Bibelstellen falsch deuteten bzw. sinnentstellend zitierten, um sie der von der Papstkirche etablierten Irrlehre anzupassen. Bereits einige Jahrzehnte nach Kreuzigung und Auferstehung Christi seien Irrlehren in die Kirche eingedrungen, die im Verlauf der sich über Jahrhunderte erstreckenden Kirchengeschichte zu einer immer weiteren Verfälschung der reinen Lehre geführt hätten. Das Papsttum habe sich entgegen der aus der Heiligen Schrift ableitbaren rechtgläubigen Lehre angemaßt, das faktisch unfehlbare Oberhaupt der Christenheit zu sein und dem entsprechend den christlichen Glauben und seine Praxis mehr und mehr mit unchristlichen Neuerungen und falschen Interpretationen durchsetzt. Flacius konstatiert, dass im Verlaufe der Geschichte mehrfach die wahre Lehre und der richtige Glaube an Gott verfälscht worden seien und dass zugleich aber auch stets ein – mitunter – kleines Häuflein Rechtgläubiger existiert habe, welches den religiösen Auffassungen und Praktiken der Irrlehrer widerstand: der rechtgläubige Abel neben dem Mörder Kain, Noah und die Seinen neben den in der Sintflut untergegangen Irrgläubigen, Abraham und Lot neben den ungläubigen Kanaanäern und schließlich Christus neben den seine Lehre ablehnenden neutestamentlichen Zeitgenossen. Diesen heilsgeschichtlichen Antagonismus von rechtgläubigen Verehrern des Wortes Gottes auf der einen und die göttliche Lehre verfälschenden bzw. ablehnenden Irrgläubigen auf der anderen Seite sieht Flacius auch in seiner eigenen Zeit noch wirksam: hier das rechtgläubige Häuflein der Evangelischen, dort die durch Verfälschung, Umdeutung der biblischen Botschaft, Korruption und Machtmissbrauch diskreditierte altgläubige Papstkirche als Symbol für Irrglauben und Abfall von der reinen Lehre des Evangeliums. Das Papsttum stelle sich über die Heilige Schrift, indem es postuliere, dass die Kirche nicht irren könne und erhebe somit menschliche Auslegungen und Beschlüsse über das Wort Gottes. Viele Bibelperikopen würden durch altgläubige Exegeten oder den Papst selbst der päpstlichen Lehre und damit den päpstlichen Machtansprüchen angepasst, letztlich werde also durch solche Umdeutungen das Evangelium verfälscht. Laut Flacius betrifft dies die altgläubige Rechtfertigungslehre sowie die Einführung nicht heilsrelevanter Mitteldinge als angeblich heilsnotwenig. Außerdem sei die altgläubige Messe gotteslästerlich, weil die biblischen Einsetzungsworte Jesu im Rahmen der Messfeier bewusst falsch gedeutet würden. Zudem lehnten die Altgläubigen die exegetische Arbeit mit den griechischen und hebräischen Urtexten der biblischen Überlieferung ab und favorisierten stattdessen die unpräzise und unsicher übersetzte lateinische Vulgata. Die gesamte Tradition und Theologie der Papstkirche basiere somit auf Betrug und Verfälschung der reinen Lehre, letztlich seien der Papst und seine Machtstrukturen jedoch eine Verkörperung des Antichristen, welcher der eigentliche Urheber all diesen Verfälschungen sei. Der scharfe agitatorische Kampf gegen die altgläubige Kirche, ihre Protagonisten und theologische sowie kirchenpolitische Positionen steht klar im Fokus der Intention dieser polemischen Streitschrift.

Zitierhinweis

Clarissimae quaedam notae, dt., in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/a5102e8d-7432-4897-a0cc-3c978b212ad3>. (Zugriff am 25.09.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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