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Zwei Schriften Joachim Westphals; Duo scripta ...Quod obsistentes praesenti mutationi in doctrina et ritibus ecclesiasticis non moveant certina de rebus parvis <dt.> (VD16: W 2307)

Westphal, Joachim (auf Titel)

Zwo Schrifften M.
Joachimi Westphali / Pfarherrn
zu Hamburg.
Jn der ersten wird mit bestendigem grunde be=
weiset / das die jenigen / so der jtzigen verenderung
inn der Lehr vnd Caeremonien widderste=
hen / nicht vmb geringe vnnötige
ding zancken.
Jnn der andern wird klerlich beweiset / das die
Stiffter vn(d) Angeber der Gesetz / von vernewerung
der Lehr / vnd auffrichtung der falschen Mit=
telding / dem Antichrist hofieren / der
Christliche(n) Kirchen zu merckli=
chem schaden vnd
nachteil.
Verdeudscht.
Matth. 5.
Wer eins von diesen kleinsten Gebotten aufflöset /
vnd leret die Leute also / der wird der kleinest
heissen im Himelreich.
1550.

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Rödinger, Christian d. J. (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1550 (auf Titel)
Umfang und Format
20 Bl. 4°
VD 16-Nummer
W 2307
Bestandsnachweis HAB
H 130 (18). 4° Helmst.
Weitere Exemplare
J 180 (16). 4° Helmst.; Alv.: Dc 28 (14); H 118.4º Helmst. (14)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Ohne Vorwort oder Widmung beginnt Westphal unmittelbar mit der Erörterung der Titelfrage: Die Urheber der gegenwärtigen Veränderun-gen in den Zeremonien bleiben, obwohl gefragt (Anspielung auf Schreiben der Hamburger Prediger an Melanchthon De rebus adiaphoris, E 1673), die Antwort schuldig auf die Frage, was denn Mitteldinge seien und was man gefahrlos nachgeben könne. Deswegen nimmt W. diese Aufgabe auf sich um zu zeigen, daß es den Streitern gegen die Mitteldinge nicht um kleine, sondern um große Dinge gehe. Es gebe ohnehin eine Tendenz zur Geringschätzung der Religion, aber nur wenn man der folgt, kann man die papistischen Greuel für gering halten. Wer Gott als Richter annimmt, kommt zu einem anderem Urteil. Die Dinge, die man jetzt Mitteldinge nennt, umfassen kleine und unnötige Dinge, unter denen einige aus sich selbst, die anderen umständehalber klein zu nennen sind. Den "Friedenmachern" gelten Kleidung, Wachslichter, Bärte etc. als klein, um die solle man nicht streiten. Das aber sei ohnehin keine Frage. Diese Dinge seien nichtig und deswegen in den Kirchenordnungen verworfen worden. Die Gegner der Adiaphora streiten aber von Dingen der anderen Ordnung, die zwar klein sind, aber durch die Umstände groß werden. Diese werden von den Adiaphoristen bestritten. Dabei ändere sich die Natur der Dinge durch die Umstände; so auch die Mitteldinge: Sie werden durch die Umstände zu den allergrößten. Sie werden wichtig, weil sie von den obersten Regenten vorgelegt werden, die eine Geringschätzung dieser Dinge als Mißachtung ihrer Majestät verstehen würden, denn sie haben viel Aufwand für die Aufsetzung der neuen Gesetze getrieben und führensie mit ernsten Mandaten und Drohungen ein. Solcher Aufwand würde nicht für nichtige Dinge getrieben. Die großen Häupter haben vielmehr großes vor mit den Zeremonien und werden es nicht dabei belassen, deswegen muß man den Anfängen wehren und für das Kleine kämpfen. Zudem hängt an den Zeremonien viel Aberglaube; Unterwerfung ist Knechtschaft unter dem Papsttum. Also entweder betrügen sie uns, wenn sie sagen, daß es kleine Dinge sind, oder es handelt sich tatsächlich um große Dinge, denn es geht um die Erhaltung der Religion und der Wohlfahrt des ganzen Landes. Zweitens: die untergemengten, eigentlich großen Dinge. Zum Beispiel Rechtfertigungsartikel, wo sie um das sola fide nicht streiten wollen. Dies ist nun wirklich von Anfang an der größte Streit gewesen, darin dürfen wir nicht weichen. Ähnlich die Sakramente, wo alte Verfälschungen wieder eingeführt werden sollen. Ohne Namensnennung wird Melanchthon angegriffen, der zu nachgiebig hierin sei und in seinem Bedencken fordert, man solle das Interim in Geduld ertragen. Die führenden Theologen übergeben dem Antichrist das Regiment und verraten Luthers Kampf gegen das Papsttum. Die andere Schrift beweist, daß die Gesetzgeber des Interims dem Papst hofieren, obwohl sie behaupten, der Kirche nicht zu schaden. W. schreibt, er habe die Argumente für die Nachgiebigkeit in Zeremonien geprüft, aber nichts Beständiges dafür gefunden, während die Gegner allenthalben gute Gründe hätten. Die Betreiber der Veränderung befördern alle die Gegner der wahren Religion, angefangen vom obersten Herrn (der Kaiser wird nur umschrieben), der Rücksicht auf den Papst nehme, dem das Interim willfahre. Auch die Zugeständnisse in Priesterehe und Kelch gelten nur bis zum Konzil. Das Interim werde vom Papst zur Wiedererrichtung seiner Macht gebraucht. Die Mietlinge, die dem Papst dienen, tun dies aus Gier, Furcht und falsche verstandenem Eifer. Die Christenheit klagt unterdes über die Unbeständigkeit der Doctoren, die manche Stände verraten haben. Da sie der Kirche nicht dienen, müssen sie dem Antichrist zuarbeiten, selbst wenn sie es gut meinen. Sie lassen sich mißbrauchen, weil sie zur Unzeit handeln. Auch durch Auslegungen des Interims wird sein Gehalt nicht besser; der Leipziger Landtagsbeschluß laufe auf die Annahme des Interims hinaus. Insgesamt: Die Annahme der Zeremonien fördert die Bösen und beschwert die Frommen. Sie bringen die Kirche in die Knechtschaft und verrät die Freiheit. Dagegen hilft nur Standhaftigkeit

Zitierhinweis

Zwei Schriften Joachim Westphals; Duo scripta ...Quod obsistentes praesenti mutationi in doctrina et ritibus ecclesiasticis non moveant certina de rebus parvis <dt.>, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/a9dc7f85-6c52-4f1e-8df0-6fcf6d58957d>. (Zugriff am 19.08.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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