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Etliche Prophezeisprüche (VD16: L 3473)

Luther, Martin (auf Titel)

Etliche Prophe=
ceysprüche D.
Martini Lutheri /
Des dritten
Elias.
Antonius Otho Hertzber=
ger / Prediger zu
Northausen.
1552.

Herausgeber:
Abbas, Anton (Pseudonym von Anton Otho (Otto) aus Nordhausen) (auf Titel)

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (erschlossen)
Drucker
Lotter, Michael (erschlossen)
Erscheinungsjahr
1552 (auf Titel)
Umfang und Format
10 Bl. 4°
VD 16-Nummer
L 3473
Bestandsnachweis HAB
327.4 Theol.(1)
Weitere Exemplare
A 115b.4ºHelmst.(10); Alv Ef 104(2); G 670.4ºHelmst.(3); S 230.4ºHelmst.(6)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Im Jahre 1552 ließ der evangelische Pfarrer Anton Otho, Pastor in Nordhausen am Harz, bei Michael Lotter in Magdeburg eine Schrift in Druck gehen, in der er kompilatorisch verschiedene Auszüge aus den Schriften Martin Luthers unter von ihm gewählten Überschriften neu zusammenstellte und somit zu einer antipäpstlichen Anthologie zusammenstellte. Die Intention, mit der Otho hierbei vorging, bestand darin, Luthers Aussagen zur Legitimation seiner eigenen theologischen Standpunkte anführen zu können. Auf theologische Einwände gegenüber außerhalb der Wittenberger Reformation stehenden evangelischen Gruppierungen (von Hertzberger als „Rotten und Sekten“ bezeichnet, also möglicherweise täuferischen oder spiritualistischen Gruppen) geht Otho hierbei ebenso ein wie auf die Empörung über die Geringschätzung des sich in den biblischen Texten manifestierenden Wortes Gottes innerhalb der deutschen Gesellschaft des 16. Jahrhunderts. Hinzu tritt scharfe Grundsatzkritik am Papsttum sowie am römisch-katholischen Konzept eines allgemeinen Konzils. Otho intendiert in seiner Vorrede, dass diese von ihm ausgewählten Texte Luthers in prophetischer Weise auf die chronologisch nach dem Tode des Wittenberger Reformators liegenden Zustände in Deutschland hinweisen würden, d.h. damit auch auf die Lebzeiten Othos selbst. Der Kompilator und Luther-Editor bediente sich hierbei einer Fülle von Lutherschriften aus unterschiedlichen Jahrzehnten der verschiedenen Schaffensphasen Luthers, wobei er die Texte, denen er die von ihm erneut herausgegebenen Passagen entnommen hatte, durch Angabe der jeweiligen Titel der Orginial-Lutherschriften in Form von Marginalien neben dem eigentlichen Fließtext kenntlich machte. Otho entnahm – je nach Eignung für seine Publikationsabsicht – einzelne, ihm offenkundig besonders prägnant erscheinende Textpassagen und fügte diese zu einem Florilegium nach seinen Gesichtspunkten neu zusammen. Hierdurch entstand ein formal „einheitlich“ wirkender, durch von Otho vorgenommene sprachliche Glättungen überarbeiteter, Textfluss, der auf die verschiedenen inhaltlichen Punkte Bezug zu nehmen scheint, auf die es dem Kompilator ankam. Die theologische Stoßrichtung ist indes klar erkennbar und fügt sich nahtlos in den Argumentationskreis evangelischer Theologen der Mitte des 16. Jahrhunderts ein: Die so genannten „Rotten und Sekten“ verkündeten nicht Gottes Wort in dem durch die biblischen Autoren wirklich gemeinten Sinne, sondern verdrehten es, legten es nach ihrem häretischen Gusto aus und führten somit die ihnen folgenden Gläubigen in die Irre. Das einfache Kirchenvolk im Reich folge – auch wenn es vorgäbe, das Wort Gottes hochzuhalten – doch oftmals diesem in der Bibel niedergeschriebenen Wort nicht, sondern verhalte sich lediglich oberflächlich christlich, eine Haltung, die aber nicht durch eine wirkliche, glaubensmäßige Verinnerlichung auch der Gebote Gottes gekennzeichnet sei. Zudem huldigten weite Teile Deutschlands leider immer noch dem Papsttum und den altgläubigen Irrlehren, so dass Gottes Zorn irgendwann über die deutschen Lande kommen werde. Das Papsttum als Institution sei eine Erfindung des Teufels, seine Machtfülle diene nur dazu, die wahrhaft rechtgläubige (also für Otho evangelische) Kirche Gottes auf Erden zu unterdrücken und die christlichen Lehren mit seinen falschen Ansichten zu verwässern und somit unkenntlich zu machen. Dass Otho auch der Idee eines – in den Kontext der altgläubig-römischen Kirche eingebetteten – Konzils mehr als kritisch gegenüberstand, zeigt sich im letzten Absatz seiner Schrift, indem er aus drei Lutherschriften Zitate zusammenstellt, die belegen sollen, dass der vordergründigen Angabe, ein solches Konzil diene der Reformierung der Kirchenstrukturen, schon allein deshalb nicht zu trauen sei, da ja eben diese Konzilssitzungen von genau denjenigen Protagonisten abgehalten würden, die aus dem Umfeld des diabolischen Papsttums kämen: eben dem Papst und seinen Klerikern. Hierin ist durchaus auch religionspolitische Kritik Othos an den Gegebenheiten seiner Zeit zu sehen: tagte doch seit 1545 das Konzil, von einer Sitzungsperiode in Bologna abgesehen, in Trient mit eben diesem Anspruch, eine Reform der altgläubigen Kirche zu gewährleisten.

Zitierhinweis

Etliche Prophezeisprüche, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/c1b4ddbb-a6f4-4eb9-9203-ee07451e931e>. (Zugriff am 13.12.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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