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Das 2. Kapitel Syrach und der 12. und 94. Psalm mit kurzen Auslegungen (VD16: F 1574)

Flacius, Matthias (auf Titel)

Das ij.Capit. Syrach /
Der xij. vnd xciiij. Psalm / mit kur=
tzen ausslegungen / Matth. Fl. Jllyr. zu
dieser betrübten zeit sehr nütz=
lich zulesen.
Psalm. ij.
Er wird einest mit jhnen reden inn sei=
nem zorn / Vnnd mit seinem grim wird er sie
schrecken.
Anno 1551.

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (erschlossen)
Erscheinungsjahr
1551 (auf Titel)
Umfang und Format
8 Bl. 8°
VD 16-Nummer
F 1574
Bestandsnachweis HAB
--
Weitere Exemplare
Berl DSB: Bo 14956 R; Mü SB: Conc. 254/7; Wien NB: 79.L.87
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Im Jahre 1551 ließ Matthias Flacius Illyricus bei einem namentlich nicht bekannten Drucker in Magdeburg eine offensichtlich im Zusammenhang mit den Streitigkeiten um das Augsburger Interim sowie der Frage nach der Bedeutung der so genannten Adiaphora innerhalb der evangelischen Lehre stehende Trostschrift publizieren. Formal stellt dieser Text die Auslegung dreier biblischer Perikopen dar, nämlich zum einen des zweiten Kapitels des alttestamentlichen Buches Jesus Sirach, zum anderen zweier Psalmen (des 12. sowie des 94.). Flacius verfährt bei seiner Auslegung des Buches Sirach derart, dass zunächst in deutscher Übersetzung die entsprechenden Bibelverse zitiert werden. In einem zweiten Schritt folgen dann auslegende Erklärungen, die zum Teil direkt auf das Interim und die Adiaphora Bezug nehmen, d.h. Flacius überträgt die Aussagen der genannten biblischer Texte auf die kirchenpolitische Situation, in welcher er und seine Zeitgenossen sich seit 1548/1549 befanden. Der 12. Psalm wird hingegen homilieartig durch Flacius ausgelegt, den 94. Palm bespricht der Autor mit Hilfe von Anmerkungen zum Text. Kern der sich an den entsprechenden Bibelversen entlang orientierenden Ausführungen ist die tröstende Ermahnung, dass der Rechtgläubige nicht wanken oder an seinem Glauben irre werden möge, man solle nicht falscher Lehre weichen sondern auf Gott vertrauen. Hierdurch versucht Flacius also die Gegner von Interim und Leipziger Artikeln in ihrer ablehnenden Haltung zu bestärken, denn eine solche Haltung werde ja auch schon innerhalb der betreffenden Bibelstellen deutlich. Der Autor bezieht also die biblischen Äußerungen, welche dem angefochtenen Gläubigen Mut machen sollen, auf sich selbst und seine gnesiolutherischen Mitstreiter im Rahmen des Interimistischen und Adiaphoristischen Streits. Man müsse und solle Gott und nicht dem Antichrist – indirekt sind hiermit der Papst und die diesen unterstützenden Altgläubigen gemeint – und nicht dem „lieben Interim“ und den „schönen Adiaphora“ dienen. Punktuell fällt auf, dass Flacius somit durchaus auch ironische Anspielungen in seine exegetischen Ausführungen einmengt. Zwar hätten, so Flacius, der Glaube und die Heiligen abgenommen, dies bezeuge bereits der 12. Psalm zu alttestamentarischer Zeit, woraus man schließen könne, dass die wahre Kirche Jesu Christi zu jeder Zeit nur ein kleines Häuflein sei. Diese Erkenntnis führt – so Flacius – den Gläubigen des Jahres 1551 zu der Erkenntnis, dass also auch er, obwohl er nur zu einer kleinen Gruppe Rechtgläubiger zählt, dennoch auf Gott und seine Verheißungen bauen und ohne zu wanken an seinen Überzeugungen festhalten sollte. Wie schon einzelne Bestandteile des 12. Psalmes zeigten, so werde viel Unnützes und Falsches gelehrt, so wie aktuell eben gerade das Interim, Gottes Wort im 94. Psalm bezeuge aber auch, dass Recht vor Gott auch Recht bleiben müsse und dass Gott Unrecht vergelten werde. Diesen Begriff des „Unrechts“ bezieht Flacius auf das Handeln der Interimisten und seine theologischen Gegner. Ihr scheinbarer Erfolg werde aber nicht von unbegrenzter Dauer sein, Gott werde seine Getreuen, also die gnesiolutherischen Gegner von Interim und Einführung adiaphoristischer Gepflogenheiten in den evangelischen Gottesdienst, nicht im Stich lassen. Flacius veröffentlichte diesen Druck in deutscher Sprache, hierzu verwendete er auch eine deutsche Übersetzung der entsprechenden Bibelstellen, die von Luther bis 1534 vorgelegte deutschsprachige Übersetzung des Alten Testaments. Er beabsichtigte mit seiner Auslegung der drei Perikopen offenbar, breitere Kreise innerhalb des evangelischen Lesepublikums in Deutschland zu erreichen.

Zitierhinweis

Das 2. Kapitel Syrach und der 12. und 94. Psalm mit kurzen Auslegungen, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/d73fec69-c45b-4c4a-94a7-727c35732ed9>. (Zugriff am 02.12.2021)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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