Bibliographie/Quellen

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De gradibus et vocatione ministrorum (VD16: ZV 16762)

Pfeffinger, Johann (auf Titel)

DE GRADI=
BVS, ET VOCA=
TIONE MINISTRO=
RVM IN ECCLESIA
DEI,
PROPOSITAE
SENTENTIAE AD DISPV=
TANDVM A IOANNE PFEF
FINGERO D. ECCLESIAE
LIPSENSIS PA
STORE.
LIPSIAE APVD VALENTINVM
PAPAM.
ANNO M.D.L.
Mense Octobri.

Druck

Erscheinungsort
Leipzig (auf Titel)
Drucker
Bapst, Valentin (auf Titel)
Erscheinungsjahr
1550 (auf Titel)
Kommentar Druck
evtl. einer der drei Drucke, die Amsdorf in seiner Schrift A 2379 als in Leipzig gedruckte Verteidigungen des Interims durch Pfeffinger angreift.
Umfang und Format
7 Bl. 8°
VD 16-Nummer
ZV 16762
Bestandsnachweis HAB
--
Weitere Exemplare
Leipz UB Off.Lips.Bapst 34
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Im Oktober 1550 ließ der Leipziger Superintendent Johannes Pfeffinger bei Valentin Papst in Leipzig eine als „Disputatio“ bezeichnete Sentenzensammlung in Druck gehen, die 37 in die Form von Thesen gekleidete Aussagen zu den Themenfeldern Bekenntnis und Lehre umfasst. Diese Texte gehören in den religionspolitischen Kontext der damals aktuellen Streitigkeiten zwischen Karl V. und altgläubigen Kräften in Deutschland einerseits und dem evangelischen Lager andererseits um die Einführung der Bestimmungen des 1548 publizierten Augsburger Interims. Mit der Ausarbeitung der so genannten Leipziger Artikel und dem sich daraus ergebenden Streitpotential innerhalb des lutherischen Lagers zwischen Gnesiolutheranern und Philippisten bezüglich der Frage, ob und in welchem Ausmaß adiaphoristischen Riten und Traditionen im Rahmen des evangelischen Gottesdienstes aus Kompromissgründen mit der aus dem Schmalkaldischen Krieg siegreich hervorgegangenen altgläubigen Partei um Karl V. Raum zu geben sei, entbrannten seit Ende 1549 publizistische Auseinandersetzungen zwischen dem von Magdeburg aus wirkenden Theologenkreis um Nikolaus von Amsdorf und Matthias Flacius Illyricus auf der einen und Philipp Melanchthon sowie dessen Befürwortern auf der anderen Seite. Pfeffinger zählte im Zuge dieser Streitigkeiten zu den Unterstützern Melanchthons, deren hauptsächlich gegen Flacius und Amsdorf ins Feld geführten Argumente folgende waren: Zwischen der Sphäre des Glaubens und der Adiaphora, d.h. der nicht bekenntnis- und heilsrelevanten Mitteldinge, müsse deutlich unterschieden werden. Die reine Lehre, d.h. das evangelische Bekenntnis und die Rechtfertigung des Menschen vor Gott allein durch Glaube und Gnade, werde von der Praktizierung oder auch Unterlassung adiaphoristischer Riten und Handlungen nicht berührt. Hinsichtlich Glaube und Bekenntnis, d.h. den genuinen Lehrfragen, habe man hingegen durch die Inhalte der Leipziger Artikel der altgläubigen Seite weder nachgegeben, noch Zugeständnisse gemacht. So lange Predigt und Verkündigung im Sinne der reinen evangelischen Lehre möglich seien, schädigten Zugeständnisse hinsichtlich adiaphoristischer Riten die protestantische Sache nicht, deshalb könne man bezüglich dieser „Äußerlichkeiten“ durchaus kompromissbereit sein. Pfeffingers Thesen „De gradibus et vocatione“ von 1550 stehen in diesem Zusammenhang und zielen ebenfalls auf eine argumentative Unterstützung der Positionen Melanchthons ab: Gott verheiße den Menschen Vergebung der Sünden und das ewige Leben durch den Glauben an das christliche Credo, Christi Auferstehung und die daraus sich ergebende Gnade Gottes in Christo. In der wahren, d.h. für Pfeffinger selbstredend evangelischen, Lehre offenbare sich das Wort Gottes, welches es zu beachten gelte. Mit der in diesem Sinne verstandenen Rechtgläubigkeit seien jedoch aus der Geschichte der Apostel herrührende Traditionen durchaus vereinbar, so wie auch die kultischen Gepflogenheiten und Traditionen des alten Israels ja direkt auf Gottes im Alten Testament bezeugte Anweisungen zurückgingen. Auch die Apostel empfingen demnach ihre Eingebungen von Gott, so dass deren rituelle Handhabungen und Anweisungen an die Gemeinden, wenn auch nicht direkt heilsnotwendig, so doch mit dem rechten Glauben vereinbar gewesen seien. Auch wenn Amsdorf und Flacius direkt in diesem Druck nicht erwähnt werden, zielt Pfeffinger mit seiner Argumentation dennoch darauf ab, die Vereinbarkeit traditionsbedingter Riten mit der rechtgläubigen evangelischen Lehre aufzuzeigen um somit de facto eine Entlastung Melanchthons und dessen Unterstützerkreises im Streit mit gnesiolutherischen, streng anti-adiaphoristischen, Gegnern zu erreichen.

Zitierhinweis

De gradibus et vocatione ministrorum, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/bd2fea05-8a29-4063-8fa3-31a04e0f6752>. (Zugriff am 29.07.2021)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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