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Historia und Erzählung (VD16: H 3939)

Historia vnnd erze=
lung der Handlung / so in dem löbli=
chen vnnd Hochberümbtem Köning
reich Behem / auff ires Könings Mandat / den
Churfürsten zu Sachssen Hertzog Johans
Fridrichen etc. Vnd seine Land vnd Leut zu vberzi=
hen / in vorgangnem winter vnd Sonderlich
im Monat Februario sich zugetragen vnd
ergangen / vnnd jre erliche vnd Christ=
lich antwort darauff.
Mit einer Christlichen vermanung
an alle Gottfüchtige vnnd frumme Hertzen /
solch Exempel dieses löblichen Königreichs / in die
sen ferlichen vnd vnchristlichen Kriegsleuf=
ten zubedencken / vnd sich auch nicht vn=
schüldig Christlich blut zuuergissen /
bewegen lassen.
M. D. XLVII.

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg
Erscheinungsjahr
1547 (auf Titel)
VD 16-Nummer
H 3939
Bestandsnachweis HAB
264.21 Quod. (8)
Weitere Exemplare
293 Theol. (10), H 120.4 Helmst. (11), J 180.4 Helmst. (23), K 280.4 Helmst. (18)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Schmalkaldischer Krieg
Kommentar
Dieses 1547 in Magdeburg bei Michael Lotter anonym in Druck gegangene Werk (VD 16 H 3939) äußert sich aus der Perspektive eines Anhängers Johann Friedrichs von Sachsen zu den Vorgängen in Böhmen während des Schmalkaldischen Krieges. Hierbei nimmt der Autor insbesondere auf die Zeit zwischen November 1546 und April 1547 Bezug. Die damalige religionspolitische Situation war gekennzeichnet durch die prekäre politisch-militärische Lage der evangelischen Reichsstände. Die süddeutschen Städte waren bereits im Sommer und Herbst 1546 durch kaiserliche Truppen der Vorherrschaft Karls V. unterworfen worden. Im sächsisch-böhmischen Grenzraum ging König Ferdinand I. gegen Kursachsen vor, de facto dadurch unterstützt, dass Herzog Moritz im Oktober 1546 seinem ernestinischen Vetter Kurfürst Johann Friedrich den Krieg erklärte, wodurch dieser und Landgraf Philipp von Hessen in militärische Bedrängnis gerieten. Die Herausgabe des vorliegenden Drucks in Magdeburg 1547 ist daher in den propagandistischen Kampf der Evangelischen im Zuge des Schmalkaldischen Krieges einzuordnen. Der Autor will den Lesern exemplarisch die Standhaftigkeit des mehrheitlich selbst evangelischen Adels in Böhmen sowie der Einwohner der Stadt Prag vor Augen führen, die sich von Dezember 1546 an monatelang dem königlichen Willen offen verweigerten, die Kriegsvorbereitungen gegen Kursachsen zu unterstützen, ein Vorgang, der in der Forschung als „böhmische Ständerevolte“ bezeichnet wird. Der vorliegende Druck nimmt somit die Gestalt einer propagandistischen Würdigung dieser Politik der böhmischen Landstände an der Jahreswende 1546/47 an und ist darüber hinaus auch als Rechtfertigung des Widerstands gegenüber Forderungen der Obrigkeit, die dem Evangelium zuwider laufen, per se zu bewerten. Wenn diese Obrigkeit nämlich befehle, dass man unschuldige, rechtgläubige Christen verfolgen solle, so gelte der biblische Spruch, dass Gott mehr als den Menschen – in diesem Falle König Ferdinand – zu gehorchen sei. Als legitime Gründe der böhmischen Stände für ihre Haltung werden genannt: Es sei unrecht, unschuldiges und christliches – weil evangelisches – Blut zu vergießen, des Königs Anordnungen zur Kriegsvorbereitung liefen alten Privilegien des böhmischen Adels zuwider, zudem gäbe es Friedensvereinbarungen zwischen Sachsen und Böhmen, die man nicht dadurch uminterpretieren könnte, dass man das Vorgehen gegen Johann Friedrich als Hilfe für den ebenfalls sächsisch-wettinischen Herzog Moritz deklariere. Moritz habe seinerseits den Krieg gegen seinen Vetter aus freien Stücken begonnen, deswegen seien ihm die mit Sachsen verbündeten Fürsten und Adeligen keine Waffenhilfe schuldig; ein Motiv, welches auch in anderen Schriften dieser Zeit vorfindbar ist. In die historiographisch gestaltete Schrift sind die Abdrucke weiterer Texte exkursartig eingearbeitet, welche die Argumentation des Anonymus untermauern sollen: Einerseits eine Schrift der Prager Bürger an ihren Bürgermeister, die die Begründung für die Ablehnung des königlichen Mandats zur Truppenaushebung enthält; und zwar durch den Verweis auf alte Privilegien der Prager Bürgerschaft sowie den erneuten Hinweis, nicht Krieg gegen einen evangelischen Fürsten führen zu wollen. Zum anderen enthält der Druck die Wiedergabe eines Vertrages zwischen den böhmischen Landständen, welche im März 1547 in Prag zusammentrafen, sich gegenseitig Unterstützung gelobten und dort die königliche Aufforderung, an Rüstungsvorbereitungen und Heerbann teilzunehmen, erneut zurückwiesen. Dieser Text sei bereits zuvor in Prag gedruckt und nun – so der Autor – 1547 in Magdeburg erneut durch ihn herausgegeben worden. Es folgen Ausführungen, die nochmals die Haltung der böhmischen Stände loben, weitere Argumente gegen das königliche Mandat ausführlich darlegen und letztlich zum Widerstand gegen die Politik des Königs aufrufen.

Zitierhinweis

Historia und Erzählung, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/b0f3caaf-31bc-4f2a-98a9-ae7b0bcbfd3a>. (Zugriff am 15.07.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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