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Alber, Erasmus

GND: 118501550

geb. um 1500 (aus dem Immatrikulationsdatum erschlossen) in Windecken, gest. 5.5. 1553 in Neubrandenburg (Mecklenburg). Luth. Pädagoge und Theologe, Fabel- und Liederdichter

Weder Geburtsort noch Geburtsjahr Albers sind zweifelsfrei bekannt, er scheint aber nicht, wie früher angenommen, einer Priesterehe zu entstammen. Er besuchte die Schule in Nidda und Weilburg, absolvierte jedoch vermutlich kein Studium in Mainz. 1520 immatrikulierte er sich in Wittenberg. Anfangs zählte Alber zu den Anhängern Karlstadts, löste sich aber von diesem und verurteilte später dessen Lehre in einer erst posthum gedruckten Schrift „Wider die verfluchte Lehre der Carlstader“. Dagegen bestand zeitlebens ein enges Verhältnis zu Luther. 1524 trat Alber mit einer Schrift gegen Erasmus im Streit um den freien Willen an Luthers Seite. Ab 1522 war er als Lehrer tätig, zuerst in Büdingen, später in Oberursel. Während dieser Zeit heiratete er. Ab 1528 übernahm A. eine Pfarrstelle in Sprendlingen. Hier entstanden zahlreiche seiner Werke, darunter eine – inzwischen verlorene – Evangelienharmonie und eine sehr erfolgreiche Fabelsammlung. 1536, Todesjahr seiner Frau verfasste er ein Buch von der Ehe sowie die „Praecepta morum“, eine Unterweisung der Jugend, die er Luthers Sohn Hans widmete und in zweiter Auflage um eine lateinische Grammatik erweiterte. Ab 1537 diente er zeitweilig als Prediger bei Hans von Küstrin, gab seine Stelle in Sprendlingen aber erst 1540 auf. Nach Aufenthalten in Marburg und Basel sowie verschiedentlichen Besuchen in Wittenberg nahm er 1541 eine Stelle als Superintendent in Neustadt/Branden­burg an, die er jedoch schon bald wieder aufgeben musste. Der Widerstand aus Kreisen des Stadtrats soll von Albrecht von Brandenburg, Ebf. von Mainz, genährt worden sein, so dass auch die Fürsprache Luthers A. nicht half. Nach einem weiteren Aufenthalt in Wittenberg wurde A. 1543 Pfarrer in Staden in der Wetterau und anschließend in Babenhausen. In dieser Zeit wurde er in Wittenberg zum Dr. theol. promoviert, musste aber nach Konflikten mit dem Grafen Philipp von Hanau-Lichtenberg seine Stelle aufgeben und fand wieder in Wittenberg Aufnahme. 1548 schloss sich Alber den Magdeburger Pastoren an und verfasste zahlreiche Schriften im interimistischen Streit, darunter auch Lieder und Polemiken gegen Johann Agricola und Moritz von Sachsen. Als sich die Stadt mit ihren Widersachern einigte, verlangte Moritz den Weggang Albers. Dieser fand bei Joachim Westphal in Hamburg und in Lübeck Aufnahme, bevor er am 5. Oktober 1552 von Herzog Albrecht von Mecklenburg/Neubrandenburg als Superinten­dent an St. Marien in Neubrandenburg berufen wurde. In den letzten Lebensjahren verfasste er Schriften gegen Andreas Osiander, aber auch katechetische Werke und die posthum gedruckte Schrift „Von der Kinder Tauf“. Diese Schrift, die sich scharf und kritisch u.a. mit Karlstadt, Zwingli und auch Johannes Calvin auseinandersetzt, hat Nikolaus Selnecker im Jahre 1591 in Magdeburg neu ediert.

ADB; RE ; NDB; RGG3; BBKL, TRE

Quellen

1547
Ein Dialogus vom Interim; A 1485  (Autor)
Schöner Lieder zwei; ZV 21016  (Autor)
Schöner Lieder zwei; A 1528  (Autor)
Zwei schöne Lieder; A 1529  (Autor)
1548
Vom Basilisken zu Magdeburg; A 1538  (Autor)
1551
Vom Wintervogel Halcyon; A 1545  (Autor)
Wider das Lästerbuch des hochfliegenden Osiander; A 1561  (Autor)
1552
Vom Wintervogel Halcyon; A 1546  (Autor)
1555
Warum Prediger Herren und Fürsten strafen sollen; A 1482  (Autor)
1555
Wider die verfluchte Lehre der Karlstadter; A 1562  (Autor)
1556
Dialog etlicher Personen vom Interim; A 1486  (Autor)

Zitierhinweis

Alber, Erasmus, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/b92bfc8c-e4d0-45d9-9020-3861bc81aa16>. (Zugriff am 20.10.2019)

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