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Cassander, Georg

GND: 118519468

geb. 24.8. 1513 in Kadsand bei Brügge, gest. 3.2.1566 in Köln, kath. Theologe und Humanist

C.s genaues Geburtsjahr ist zweifelhaft. Er stammte aus einfachen Verhältnissen, studierte in Löwen und erwarb dort 1532 den Magister Artium. Während seiner Tätigkeit als Lehrer in Brügge verfasste er Lehrbücher über das Trivium und wandte sich später auch der Theologie zu, wodurch er in Konflikte mit der alten Kirche kam. Aus seiner gelehrten Korrespondenz u.a. mit dem wohlhabenden Brügger Stiftsherren Cornelius Wouters eröffnete sich die Möglichkeit zu einer Bildungsreise als dessen Begleiter. Auf dieser Reise kam es zu Kontakten mit Martin Bucer, Heinrich Bullinger, Sebastien Castellio, Andreas Hyperius, Philipp Melanchthon und Johannes a Lasco. Im Frühjahr 1544 ließen sich Cassander und Wouters für längere Zeit in Köln nieder und immatrikulierten sich an der Universität. Hier knüpfte C. die Verbindung zu dem klevischen Kanzler Oligschläger und zum Herzog von Kleve. Er machte sich um die Gründung der Lateinschule in der klevischen Residenz Duisburg verdient. Später setzte er seine Studien in Heidelberg fort. Als Berater des Herzog von Jülich-Berg bemühte sich C. um eine Via media im Sinne des von ihm verehrten Erasmus. Unter Rückgriff auf die altkirchlichen Symbole und die großen Kirchenlehrer als gemeinsame Grundlage suchte er nach einer Einigung zwischen Katholiken und Protestanten (Laienkelch, Priesterehe, gereinigte Liturgie, aber Festhalten an Sakramentslehre) nach den Prinzipien der aequitas und der moderatio. Seine Schrift „De officio pii … viri in hoc religionis dissidio“ diente als eine Gesprächsgrundlage bei dem Gespräch in Poissy und veranlasste Kaiser Ferdinand, ihn mit einem Gutachten über die Möglichkeiten einer Einigung auch angesichts der innerprotestantischen Differenzen zu beauftragen. Die an den inzwischen verstorbenen Ferdinand und seinen Nachfolger Maximilian II. gerichtete Denkschrift „Consulatio de articulis inter Catholicos et Protestantes controversis“ 1564 stieß zwar auf die Ablehnung der konfessionellen Lager, hat aber auf die Irenik des 17. Jahrhunderts (Hugo Grotius in den Niederlanden, Georg Calixt und Hermann Conring in Helmstedt) weitergewirkt.

ADB, NDB, RE, RGG3, RGG4, BBKL, LThK

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 182,301-305;II 218,281-287;III 142,29-34

Quellen

1554
Commentarius de duabus in Christo naturis; C 1387  (Autor)
Opera; V 1184  (Herausgeber)
1561
De Officio pii ac publicae tranquillitatis vere amantis viri, in hoc Religionis dissidio [dt.]; C 1398  (Autor)
De officio publicae tranquillitatis; C 1397  (Autor)

Zitierhinweis

Cassander, Georg, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/d0622ac4-4fb8-4942-baf3-102e946d7dca>. (Zugriff am 16.07.2019)

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