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Listhenius, Georg (auch Lysthenius)

GND: 124579434

lutherischer Theologe. 1532 in Naumburg geboren, studierte L. in Jena und Wittenberg und nahm 1561 seine erste Pfarrstelle in Rossbach an, um 1566 Diakon in Weißenfels und 1567 Superintendent in Liebenwerda zu werden. 1572 wurde er zum kursächsischen Hofprediger und Beichtvater des Kurfürsten AUGUST berufen. In dieser Funktion geriet er in Konflikt mit dem anderen kursächsischen Hofprediger Christian SCHÜTZ, einem Philippisten, der sich stark für den christologisch-abendmahlstheologischen Kurs der Universität Wittenberg einsetzte. In Kanzelpolemik und Disputationen polemisierte L. heftig gegen den in Wittenberg vermuteten Calvinismus und trat ein für die Christologie der Multivolipräsenz, aus der er die manducatio oralis undindignorum ableitete. An dem kursächsischen Vorgehen gegen die so genannten „Kryptocalvinisten“ im Jahr 1574 war L. beteiligt. Er arbeitete an den Torgauer Artikeln mit und war Mitglied der Torgauer Komission „unverdächtiger Theologen“, die die Verhöre der „verdächtigen Theologen“ durchführte. Nachdem den Wittenberger Philippisten ihre Lehrstühle entzogen worden waren, arbeitete L. mit beim Konkordienwerk Jakob ANDREAEs und war ebenso 1576 bei den Konventen in Lichtenberg und Torgau anwesend. Für den 1586 gestorbenen Kurfürst AUGUST hielt L. die Leichenpredigt. Mit der religionspolitischen Wende am kursächsischen Hofe zurück zum Philippismus, die mit dem Herrschaftsantritt CHRISTIANs I. begann, wurde jegliche Kritik am Kryptocalvinismus in Kursachsen verboten. Da L. sich weigerte, auf diese Kritik zu verzichten, wurde er durch den kursächsischen Geheimrat Nikolaus CRELL entlassen. Er ging 1590 zurück nach Weißenfels, wo er die Pfarrstelle und Superintendentur übernahm. Da er sich aber der Abschaffung des Taufexorzismus, die 1591 von kursächsischer Seite verordnet wurde, verweigerte, plante CHRISTIAN I., seinen ehemaligen Hofprediger gefangen zu setzen. L. konnte jedoch vor seiner Verhaftung nach Magdeburg fliehen. Nach dem Tode CHRISTIAN I. am 25. September 1591 wurde unter der vormundschaftlichen Herrschaft des Herzogs FRIEDRICH WILHELM von Sachsen-Weimar das Luthertum restituiert und L. in diesem Zuge wieder zum Hofprediger gemacht. Er starb 1596 in Dresden.

ADB 19, 744.

Wolfgang Sommer, Die lutherischen Hofprediger in Dresden. Grundzüge ihrer Geschichte und Verkündigung im Kurfürstentum Sachsen, Stuttgart 2006, 79–87.

Quellen

1576
Lysthenius, Über die Kryptocalvinisten in Kursachsen; L 7767  (Autor)
1578
Listhenius, Vier Abendmahlspredigten; L 7769  (Autor)

Zitierhinweis

Listhenius, Georg (auch Lysthenius), in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/e40afe47-6d27-45bd-9112-ae9a3ad15ae8>. (Zugriff am 28.03.2020)

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