Personen und Personengruppen

Zur Übersicht

Marbach, Johannes

GND: 100375235

lutherischer Theologe. Am 14. April 1521 in Lindau am Bodensee geboren, trat M. 1536 als Stipendiat dem Collegium Praedicatorum in Straßburg bei, um 1539 als einer der ersten Studenten aus Straßburg nach der Wittenberger Konkordie (1536) an der Leucorea sein Studium fortzusetzen. Dort wurde er Haus- und Tischgenosse Martin Luthers, dessen theologischem Ansatz er zeitlebens verpflichtet bleiben sollte. Nach Abschluss seiner Studien übernahm M. 1541 das Diakonat in Jena, bevor er am 16. Februar 1543 durch Luther zum Doktor der Theologie promoviert wurde. Nach einem zweijährigen Dienst als Pfarrer in Isny in Schwaben trat M. 1545 die Pfarrstelle an St. Nikolaus in Straßburg an, die er bis 1558 innehatte. 1546 übernahm er die Stelle des Kapitelherren zu St. Thomä und begann 1549 seine Vorlesungstätigkeit als Professor an der theologischen Fakultät der Straßburger Akademie. Mit dem in Folge des Interims 1549 nach England umgesiedelten Bucer verband M. ein freundschaftliches Verhältnis. Als Vertreter der süddeutschen Theologen nahm M. von März bis Anfang April 1552 am Trienter Konzil teil. Nach dem Tode Kaspar Hedios übernahm er das Amt des Präsidenten des Straßburger Kirchenkonvents. Mit Girolamo Zanchi wurde 1553 ein Mitglied der französischen Gemeinde Lehrer an der Hohen Schule. Der Vertreter eines gemäßigten Calvinismus unterschrieb jedoch 1554 die CA, „sofern sie recht verstanden werde“. Von einer kleinen Auseinandersetzung um die Einführung von Bildern in die Straßburger Kirchen abgesehen, herrschte Frieden zwischen den beiden Theologen. Im Kontext des religionspolitischen Umschwungs der Kurpfalz zum Calvinismus wollte Zanchi einen gemeinsamen Brief zusammen mit M. an den reformierten Pfarrer Pierre de Cologne in Heidelberg im Sinne des vermittelnden Gutachtens Melanchthons schreiben. Diesen Vorschlag wies M. jedoch zurück und trat auf die Seite Heshusens, dessen Schrift de praesentia corporis Christi in coena Domini contra sacramentarios er 1560, versehen mit einer heftigen Vorrede gegen die Reformierten und gegen Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, nachdrucken lassen wollte. Als der durch Zanchi von dieser Druckabsicht instruierte Kurfürst bei dem Rat der Stadt intervenierte, erreichte M. ein Druckverbot. Der Streit zwischen Zanchi und Marbach war nun nicht mehr aufzuhalten. Er erstreckte sich auf die Gebiete der Abendmahlslehre und Ubiquität, vor allem aber auf die perseverantia sanctorum. Nach längeren Auseinandersetzungen kam es im März 1563 zu einem Vergleich mit Hilfe auswärtiger Schiedsrichter. Doch verließ Zanchi im November 1563 die Stadt und ging als Prediger nach Chiavenna. Zeigte sich M. in der Debatte mit dem Calvinismus als unnachgiebiger Theologe, so war er innerhalb des Luthertums auf Ausgleich bedacht. 1571 erreichte er die Straßburger Unterschrift unter die Zerbster Formel vom Mai 1570, 1577 bewegte er den Rat der Stadt zur Annahme der FC. Der Erbsündenlehre des Matthias Flacius Illyricus stand er ablehnend gegenüber. 1576 war er an der Wiederherstellung des Luthertums in der Kurpfalz beteiligt, die Kurfürst Ludwig vornehmen ließ. Am 17. März 1581 starb M. in Straßburg.

TRE 22, 66–68

RE3 12, 245–248

Quellen

1564
Antwort auf Marbachs und Mörlins Schriften; U 298  (Gegner)
Erast, Ablehnung der Beschuldigungen Marbachs; E 3670  (Gegner)
Kurtze Antwort vnd bestendige Widerlegung auff D. Joh. Marbachs vngegründeten Vnterricht; S 10355  (Gegner)
Marbach, Unterricht von den Einsetzungsworten; M 902  (Autor)
Marbach, Von der Himmelfahrt Christi; M 905  (Autor)
1565
Marbach, Unterricht von den Einsetzungsworten; M 903  (Autor)
Wahrhaftige und beständige Ablehnung der drei Predigten Johann Marbachs; ZV 22372  (Gegner)
1566
Marbach, Von der Majestät des Menschen Christus; M 904  (Autor)
Predigt vom Sakrament Christi; S 3374  (Autor des Vorwortes)
1571
Andreae, Disputatio de person Christi; A 2592  (Promovend)
1578
Marbach, Widerlegung einer Trostschrift Tossani; M 901  (Autor)

Zitierhinweis

Marbach, Johannes, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/a1c704fd-a9e1-4520-929e-fba3860ab36f>. (Zugriff am 28.09.2021)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

Zur Übersicht