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Beurlin, Jakob

GND: 119620294

geb. 1520 in Dornstetten (Schwarzwald), † 28.10. 1561 in Paris, luth. Theologe.

Geboren als Sohn des Bürgermeisters, studierte B. ab November 1513 in Tübingen, blieb anfangs bei der katholischen Kirche, legte 1537 das Bakkalaureat und 1541 den Magister Artium ab. Geprägt durch seine philosophischen Lehrer Carbitius, Camerarius und Benignus, theologisch durch Forster, Phrygius und Erhard Schnepf, schloss er sich der Reformation an und heiratete 1546 die älteste Tochter von Matthäus Alber. Von 1546 bis 1553 wirkte er als Pfarrer in Derendingen bei Tübingen, von wo aus er 1551 zusammen mit Jakob Heerbrand zum Doctor theol. promoviert und bald danach auf eine Professur berufen wurde. Zusammen mit seinem Schwiegervater gehörte B. zu den Erstunterzeichnern der Confessio Wirttembergica. Herzog Ulrich sandte ihn im selben Jahr für Verhandlungen über die Abendmahlslehre zu Philipp Melanchthon sowie zu einem anschließenden Treffen mit Joachim Camerarius und Straßburger Theologen nach Langensalza. 1551/1552 reiste er zweimal zum Trienter Konzil, um dort die württembergische Position und die CW zu vertreten; es kam aber zu keinem Auftritt vor dem Konzil. Gemeinsam mit Heerbrand, Martin Frecht und Dietrich Schnepf lehrte er in Tübingen Theologie, „der letzte Tübinger Lehrer, der der Generation der Reformatoren im engeren Sinne angehört, der erste, der an der neuen Fakultät studiert hat, und mit dem sie angefangen, sich aus sich selbst zu erhalten, der Begabteste aus dem neuen Nachwuchs.“ (Bossert, RE3) Er las über die Loci, die paulinischen Briefe und das Johannesevangelium und leitete zahlreiche Disputationen. 1553 und 1557 wurde er zum Rektor gewählt. Im Mai 1554 reiste B. auf Wunsch Herzog Albrechts gemeinsam mit Johannes Aurifaber und Rupert Dirr nach Königsberg, um im osiandrischen Streit zu schlichten – vergeblich. Ein ihm vom Herzog angebotenes Bistum schlug er aus. Die Reise nach Königsberg hatte aber eine Entwicklung der theologische Position B.s zur Folge, die zu einer distanzierteren Haltung gegenüber Johannes Brenz führte. Gleichwohl wies er gemeinsam mit diesem die Angriffe des Dominikaners Petrus de Soto auf die CW zurück. Auf den folgenden theologischen Verhandlungen (Worms, Frankfurt, Augsburg, Regensburg) spielte B. nur eine nachgeordnete Rolle; erst auf dem Erfurter Gespräch vertrat er die Württembergische Position neben Schnepf und Andreä in führender Stellung. Gemeinsam mit Andreä wurde B. auch zum Religionsgespräch nach Poissy abgeordnet, das er aber nicht mehr rechtzeitig vor dessen Abbruch erreichte. Bei dem Aufenthalt in Paris erkrankte B. an der Pest und starb.

„Trotz seiner überregionalen Bedeutung als Vertreter des württembergischen Luthertums hat sich die Forschung kaum mit B. beschäftigt.“ (Jung, RGG4)

ADB, RE, RGG3, RGG4, BBKL, LThK

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 96,176-178; III 76,22

Quellen

1560
Confessio Wirtembergica; W 4476  (Autor)
Confessio Wirtembergica; W 4476  (Autor)

Zitierhinweis

Beurlin, Jakob, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <https://www.controversia-et-confessio.de/id/fd913c3c-6d33-498d-a4e2-7d21142362b1>. (Zugriff am 29.01.2023)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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